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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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Gruppe VHI. Holz-Industrie.

geleistet worden, wo keine Uebersetzung in einen neuen Stoff erforder-lich war. Ob die neue Richtung, die wir später noch ausführlicherschildern werden, bei alledem als eine zukunftverheissende begrüsstwerden darf, das möchten wir, wenigstens was ihre ornamentaleBedeutung anlangt, entschieden verneinen, selbst Angesichts so treff-licher Leistungen, wie diejenigen Stanges. Der Ideen- undFormenkreis,innerhalb dessen sich die Ornamentik des russischen Bauern bewegt,ist denn doch ein zu ärmlicher, als dass er uns auf die Dauer zu befrie-digen vermöchte. Es fehlt ihm völlig das frei belebte vegetabilischeElement, thieriscber und menschlicher Bildungen nicht zu gedenken.Wo Pflanzenformen auftreteu, sind sie völlig in einem stilistisch inter-essanten, aber doch für die Holztechnik nicht eutwickelungsfähigenSchematismus erstarrt. Neue Motive aus der Pflanzenwelt in demselbenGeist zu stilisiren, dazu ist weder die Art an und für sich angethan,noch dürften die modernen Zeichner das Zeug dazu haben. Es handeltsich eben nur um geschickte Benutzung gewisser- überkommener Sche-mata, wie deren ein deutliches Beispiel das stilisirte Tannenreis war,welches in flachem Schnitzwerk die Lehnen der Stühle im Empfangs-saal des russischen Kaiserpavillons zierte. In ihrer Ornamentik lagjedoch nicht der Hauptwerth dieser russischen Möbel. Was sie lehr-reich für unsere Tischler und Möbelzeichner machte, war das an ihnendeutlich und bei mehreren mit guter Wirkung ausgesprochene Stre-ben, die Form aus der Construction zu entwickeln, die letztere nirgendzu verstecken, und die Ornamentation aus den constructiven Gliedernerwachsen zu lassen. Es ist daher lebhaft zu bedauern, dass die bestenBeispiele dieser Richtung im Speise- und Schlafzimmer des russischenPavillons nur einem kleinen Theil der Weltausstellungsbesucher zu-gängig waren. Diese Stangeschen Möbel hätten in höherem Maasseals ganze Reihen französischer Prachtmöbel anregend und läuterndauf unsere Möbelfabrikanten wirken können.

Haben wir in Vorstehendem die Richtungen beleuchtet, in wel-chen-unsere eklektische Zeit aus den Hinterlassenschaften verflossenerJahrhunderte Motive für Gestaltung und Ausschmückung ihres Mobiliarszu entnehmen bestrebt ist, so erübrigt uns noch einer besonderen An-regung zu gedenken, welche der Möbelfabrikation gleich den meistenKunstgewerben aus der antiquarischen Liebhaberei entspringt.Die Verbreitung kunstgeschichtlicher Kenntnisse, die Hebung des Ge-schmackes durch das Studium der alten Kunstwerke befördern die zuallen Zeiten rege gewesene Freude an originalen Werken alter Kunstund alten Kunstgewerbes heute mehr denn je zuvor. In so grossemUmfange wächst mit dem wachsenden Wohlstände der Culturvölker des