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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
Seite
378
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Gruppe VIII. Holz - Industrie.

lebens und Spiele costiimirter Kinder im Watteauschen Genre unsdie decorative Kunst Ludwigs XV". vergegenwärtigen. Unter an-derem Gesichtspunkte sind einige grössere Arbeiten im Rococostil zubeurtheilen, deren Verfertiger offenbar nicht in dem "Wahne lebten,etwas dem modernen Geschmack Gefälliges zu liefern, sondern diehistorischen Formen, ohne sie zu modernisiren, mit dem vollen Schwungder alten Meister wiederzugeben sich bemühten. Diese Richtungnähert sich schon der antiquarischen Liebhaberei. Das Hauptstückderselben war das grosse Bett der Wiener Tapeziere Ilassa & Sohn.

Auch der Stil Ludwig XIV. begegnete uns nur hin und wiederauf der Ausstellung, häufiger dagegen die zierlichen Formen desLouis XVI. Für die Beibehaltung der letzteren sprechen in derThat mehrfache Gründe. Von allen Möbelstilen bietet gerade derLouis XVI. der Verzierung mit Metallappliken das ergiebigste Feld.Kein anderer der historischen Stile hat .diese Art der Decoration, ohnedabei das IIolz völlig zu unterdrücken (wie bei vielen der schönstenBoule-Möbel der Fall), so reich und so folgerichtig ausgebildet. Auchfinden wir in der Marquetteriearbeit an vielen reizvollen Arbeitenjener. Zeit gefärbte Hölzer in einer Weise, verwendet, welche dem, heutigen Streben nach farbiger Erscheinung des Möbels willkommeneAnknüpfungspunkte bietet, unvergleichlich mehr, als dies die Renais-sance des Cinquecento vermag. Endlich stimmen die zierlich gebauten,zart, fast mager gegliederten, kräftige Profilirung abweisendenVorbilder ihrem ästhetischen Grundzuge nach sehr gut mit einer Rich-tung des modernen Geschmackes zusammen, welche für gewisse Ein-richtungen die Möbel bis zum völligen Verschwinden des Holztones inhellen, kühlen, ins Weisse gebrochenen Farbetönen lackirt und bemalt.Hierher gehören z. B. die Scblafzimmereinrichtungen für junge Mäd-chen. Ein ganzer Industriezweig der Pariser Möbleure knüpft andiese Richtung an, Gallait glänzt als ihr erster Vertreter.

Die Herrschaft der Renaissance, die wir als charakteristisch fürdie gesammte Ausstellung bezeichneten, ist jedoch keineswegs in demSinne zu verstehen, als ob auch nur annähernd die Möbelformen des16. Jahrhunderts wieder Aufnahme fänden; es handelt sich nur umein durchaus freies Schalten mit ihren Motiven und Zierformen. Dasist pirincipnell richtig, der Erfolg entfällt aber noch häufig zu Ungun-sten des eigentlichen Möbelstiles. Das Mitarbeiten der Architektenals Zeichner der Möbel hat neben der guten Seite, den Handwerkervor stilgeschichtlichen Ungeheuerlichkeiten zu bewahren, die historischeFörmenreinheit festzuhalten, auch die üble Folge, dass das Möbelhäufig als ein Stück Architektur behandelt wird, was denn leicht zuvölliger Verkennung der für das Holzmobiliar maassgebenden con-structiven und stilistischen Gesetze und zu decorativen Lösungen führt,