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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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Gruppe VIII. Holz - Industrie.

gefüllt, damit aber zugleich für Jedermann den Beweis geliefert, wieunschicklich die plumpe Verschwendung von Gold an einem Möbel,durch dessen Glasthüren man die zierlichen Goldornamente der Bücher-rücken erblickt. Andere Aussteller von Bücherschränken würden sichauf demselben Wege überzeugen können, wie unpassend der halbrundeobere Abschluss der Glasthüren die Büchertitel im Bogen durchschneidet.

In manchen Fällen mag dem einzelnen Industriellen, vornehmlichdemjenigen, der nur Fabrikant, nicht zugleich Decorateur, die Be-schaffung einer solchen Ergänzung seiner Arbeiten schwer fallen. DenAusstellungscommissionen bietet sich hier eine Gelegenheit zum ver-mittelnden Eingreifen durch die theilweise Verwendung der von Aus-stellern keramischer und metallotechnischer Gefässe und Geräthe ein-gesandten Gegenstände zur Ausstattung der Möbel. Eine solcheSchaustellung kommt gleichzeitig jenen Fabrikaten zu Gute. Nichtwenig trug gerade der Reiz einer derartigen Anordnung zu der An-ziehungskraft bei, welche die französische und englische Möbelaus-stellung im Vergleich mit der deutschen übte. In der letzteren ver-misste man durchaus eine derartige Belebung des Mobiliars; alseinzige Ausnahme verdient die mit Kühlbecken, Pokalen, Tellern undAnderem wohlausgerüstete Credenz des Nürnbergers Degelbejslt an-erkennende Erwähnung; ich greife wohl nicht fehl, wenn ich indieser Ausnahme den belebenden Einfluss der Bestrebungen v. Kre-lings und Stegmanns in Nürnberg begrüsse.

Bei den Wienern begegnete man häufiger gutem Verständnissfür eine solche Art der Ausstattung. Ich erinnern hier an die Cre-denzen von Bernhard Ludwig und Heinrich Rohrs, an denmit Waffen und ausgestopftem Federwild wohlausgestatteten Jagd-schrank von Heinrich Irmler, an den von Dziedzinski & Hä-misch ausgestellten Schreibtisch mit Setzuhr und allem erforderlichenGeräth.

Die Stilarten.

Vergleichen wir zunächst die in der Axisstellung gebotenen Möbelhinsichtlich des historischen Ursprungs ihrer Formen, so drängt sichuns sofort ein der grossen Mehrzahl gemeinsamer Grundzug auf:das Vorwiegen von Renaissanceformen, das Zurückweichen des gothi-"sehen Stiles sowohl wie derjenigen Stilarten, welche sich im 18. Jahr-hundert aus der entarteten Renaissance entwickelten.

Nur in seltenen Ausnahmen begegnen wir gothisirenden Formen:am meisten noch in der englischen Abtheilung und hier auch mehrin freiester Benutzung des Constructionsprincipes mittelalterlicherMöbel, als in Wiedergabe des gesummten Apiuirates der gothischen