Druckschrift 
Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
Seite
277
Einzelbild herunterladen
 

Section II. Eisen- und Stalihvaaren.

277

darin gearbeitet. Das Giessen von Fajonstücken in Stahl hat bekannt-lich ei'st seit Einführung des Bessemerpi-ocesses eine Bedeutung gewon-nen. Vorzugsweise ist das hierher gehörige Material in den Gruppen I.und XIII. ausgestellt gewesen und hat dort zum Theil seine Besprechunggefunden. Wir wollen hier nur die Gussstahlglocken von Bochumerwähnen. Die Blech- und Drahtfabrikation hat in den letzten Jahrenkeine durchgreifenden Aenderungen erfahren, als dass in immer aus-gedehnterem Maasse jede Handarbeit auch im Kleinbetriebe durchMaschinenarbeit ersetzt wurde. Ueberhaupt ist das Kleingewerbe indieser Branche fast ganz verschwunden und hält sich , abgesehen vongewissen, später zu besprechenden Specialbranchen, wie die Herstellungdes allerdünnsten Messingbleches, des unechten Blattgoldes und dieFabrikation leonischer Drähte, wohl nur noch an sehr wenig Orten amLeben. Die Grossindustrie hat sich des ganzen Gebietes, und nichtzum Schaden der Producte, bemächtigt. In ungeheurer Zahl werdenaber noch aus unseren Materialien eine Menge von Gegenständen destäglichen Gebrauches verfertigt, welche zu ihrer Vollendung einer gan-zen Reihe verschiedener Bearbeitungen bedürfen. Es sind das beson-ders die Kurzwaaren aus Eisen und Stahl, die verschiedenen Werkzeuge,die Haushaltungsgegenstände und einige kleinere Maschinen.

Die möglichst billige und schnelle Herstellung derselben ist derGegenstand steter Aufmerksamkeit der Fabrikanten und Constructeure,wahrhaft grossartig ist der Scharfsinn und die geistige Kraft, welche inVerbesserung des Fabrikationsmodus, der Maschinen, der Werzeugeaufgeboten wird. In diesen Massenartikeln excellirt Deutschland nebenEngland und Oesterreich. Wir rechnen hierher die Stahlfedern, Nadelnaller Art, Messer und Scheeren, Nägel und Schrauben, Drahtgewebeund ändere Drahtwaaren, wie Haken und Oesen, und die Schlosser-arbeiten, die Feilen und Sägen, Bohrer und andere Werkzeuge. VonHaushaltungsgegenständen können wir hier nur die gegossenen odergedrückten Kochgeschirre und Aelmliches sowie die Kochherde rechnen.Letztere werden einer besonderen Besprechung unterliegen. DasProgramm der k. k. Generaldirection giebt uns für die Reihen-folge der Betrachtung der hierher gehörigen Waaren keinen Anhaltund werden wir deshalb eine Art Schema aufstellen müssen, indem wirzuerst die Eisengusswaaren betrachten, dann die Arbeiten aus Schmiede-eisen und die aus Stahl anschliessen und die Artikel aus Blech undDraht sowie die Kurzwaaren folgen lassen. Den Schluss bilden diehäuslichen Heizapparate, von Herrn Prof. Dr. Meidinger besprochen.

Im Allgemeinen betrachtet, repräsentirte sich die Eisen- und Stahl-industrie trotz ihrer durch den Ausstellungsplan bedingten Zersplit-terung aufs Imposanteste und sind besonders einzelne englische, fran-zösische und österreichische Ausstellungen als äusserst instructiv undgrossartig zu erwähnen. Dieselben sollen bei den einzelnen Ländern