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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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Gruppe VII. Metall - Industrie.

Nur der Wilde behängt sich mit rohen Blechen oder Stücken, mit derZunahme der Cultur wächst die Sorgfalt, welche man der Bearbeitungdes Stoffes widmet. In naturgemässer Entwickelung verlangt unsereZeit an den Gegenständen, welche unsere Wohnung, unseren Tisch, un-seren Körper schmücken sollen, künstlerische, den Schönheitsgesetzenentsprechende Form und technisch vollendete Arbeit.

Die Ansprüche, welche hier zu befriedigen sind, gehen oft sehrweit auseinander und die Eigenartigkeit der verschiedenen Völker, jasogar der einzelner Stände fordert Berücksichtigung. So finden wirin dem Gebotenen eine ausserordentliche Mannigfaltigkeit und beson-ders charakterisiren sich Producte der mehr handwerksmässig betrie-benen und der Hausindustrie durch grössere Eigenart vor den Erzeug-nissen der Fabriksindustrie. Der Orient, in welchem letztere Art derProduction ganz fehlt oder nur schwach entwickelt ist, war in seinen,auf tausendjähriger Tradition ruhenden Gold- und Silberarbeiten nurschwach durch die Türkei, Persien, China und Japan vertreten, bedeu-tender trat die Kunstfertigkeit Britisch Indiens hervor. Der Westen,vorzugsweise Europas, glänzte sowohl durch Kunstwerke ersten Ran-ges, wie durch die fabrikmässige Massenerzeugung gewöhnlicher Waare.Amerika stellte nur von Brasilien Etwas zu dieser Section.

Abgesehen von der leicht erklärlichen Thatsache, dass die Metro-polen Europas, als die Ilauptmärkte, auch die Hauptproductionsorte fürGold- und Silberwaaren sind, weisen sich auch einzelne Länder gerin-gerer Grösse, wie Italien, Spanien, Dänemark, ja selbst kleinere Städtewie Pforzheim, Hanau, Schwäbisch Gmünd, als Productionsorte vonBedeutung aus. Insbesondere sind es ganz eigene Formen, Remini-scenzen früherer Glanzperioden, die Arbeiten der genannten Länderauszeichnend und die sehr bedeutende den Weltmarkt beherrschendeQuantität mittlerer und geringerer Waaren, in genannten Städten fa-brikmässig erzeugt, welche die Aufmerksamkeit fesselten. Es mögegestattet sein, diese besonderen Erscheinungen etwas näher zu be-leuchten. Sie bieten sowohl in technischer wie in volkswirthschaft-licher Beziehung ein besonderes Interesse dar.

In Italien sehen wir das Wiederaufleben der seit fast 2000 Jah-ren verloren gegangenen technischen Behandlung des Goldschmuckesdurch die Bemühungen Castellanis. Vor etwas mehr als 10 Jahrenbegann derselbe mit der Nachbildung griechischer und römischer Gold-schmucksachen, welche aus Gräbern entnommen worden waren. Einekleine Sammlung solchen Schmuckes, von Castellani angelegt, wel-che sich jetzt im South Kensington Museum in London befindet, machtezuerst darauf aufmerksam, dass in diesen unbedeutenden Kleinig-keiten dieselbe Anmuth, dieselbe Sorgfalt der Behandlung zu fin-den sei und ein vernünftiges Formengesetz walte, wie in allen den