Druckschrift 
Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
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Erste Section.

Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit.

Die Bearbeitung der sogenannten edlen Metalle zu Gegenstän-den des Schmuckes und der Zier und die Verwendung schön gefärb-ter oder seltener Steine in Verbindung mit jenen hat, wie bekannt,zu allen Zeiten und bei allen Völkern einen grossen Theil des Fleissesund der Geschicklichkeit der Menschen in Anspruch genommen. DieGrabstätten des alten Aegyptens und Mittelamerikas zeigen uns Bei-spiele, sogut wie die Ausgrabungen der Ueberreste längst vergangenerZeiten in Europa. Mit der Herstellung von Waffen und Gefassen denAnfang machend, geht der Mensch, früher als er für Bekleidung seinesKörpers zu dessen Schutze sorgt, zum Behängen desselben mit Schmucküber.

Die edlen Metalle, als fast die einzigen, welche in der Natur ge-diegen Vorkommen, zogen, durch ihren Glanz und ihre Farbe bei ver-hältnissmässiger Seltenheit die Aufmerksamkeit auf sich und botennebst bunten Steinen, Federn, Zähnen u. s. w. ein willkommenes Mate-rial. Und wie in jener Kindheit des Menschengeschlechtes sind auchheute noch die Materialien des Schmuckes dieselben, nur ist der Schwer-punkt ihres Werthes in die Bearbeitung des kostbaren Materialesgelegt.

Welch ein weiter Weg von den Nadeln, Fibeln, Ringen undSpangen des Menschen zur Bronzezeit bis zu Dem, was die WienerWeltausstellung von Arbeiten aus edlen Metallen, verziert mit edlenSteinen, vor den erstaunten und überwältigten Beschauer stellte! Wel-cher Triumph der menschlichen Handarbeit!

Edle Metalle ertragen vermöge ihrer Kostbarkeit am besten einenach jeder Richtung vollendete Bearbeitung, ja sie verlangen sogareine Erhöhung ihres Werthes durch schöne, edle Form, wenn sie demgebildeten Geschmack als Gegenstand der Verzierung genügen sollen.

Wiener Weltausstellung. III. 2. 15