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Allen Menschen erwies er die gebührende Ehre, den guten aber fastzu verschwenderisch; Männer von offenem, schlichtem Charakter liebte,die Gelehrten — doch nur wenn sie unsträflich waren — bewunderteer; aus Großmuth machte er die größten Geschenke; seine Mitbürger,oder Männer, die er durch Privatumgang kennen gelernt hatte,liebte er und belohnte sie mit Ehrenstellen, Geld und andern Wohl-thaten, besonders diejenigen, deren Diensteifer gegen ihn oder sei-nen Vater er in mißlichen Lagen erprobt hatte. (10.) Die Fehleraber, wovon Trajan befleckt war, den übermäßigen Weingenuß unddie Sucht nach Triumphen, verabscheute er in solchem Grade, daß ernie einen Krieg anfing, sondern nur (die führte, die er) schon vor-sand, und durch ein Gesetz verbot, Dienerinnen der Wollust undCitherspielerinnen zu Gastmählern beizuziehen; auch legte er solchenWerth auf Schamgefühl und Selbstbeherrschung, daß er eheliche Ver-bindungen zwischen Geschwisterkindern gleich denen zwischen Geschwi-stern verbot. (11.) Seine wissenschaftlichen Kenntnisse waren, wennwir vollkommene Gelehrte mit ihm vergleichen wollen, nur mittel-mäßig, doch war er sehr scharfsinnig und fleißig bemüht, die Thatender Vorfahren kennen zu lernen. (12.) Dabei hörte er nie auf,diejenigen von ihnen, von welchen er übermüthige, grausame undder Freiheit gefährliche Handlungen las, wie den Cinna, Marius,Sulla und überhaupt alle Despoten, namentlich aber treulose undundankbare Menschen, zu verwünschen. (13.) Allerdings gerieth ersleichtj in Zorn über unwürdige Gegenstände, ließ sich aber auchschnell wieder besänftigen, weshalb zuweilen strenge Befehle vonihm durch geringen Aufschub gemildert wurden. (14.) Er besaßdurch ein Geschenk der Natur, was Augustus einem Lehrer der Phi-losophie verdankte. (15.) Da dieser nämlich bemerkt hatte, daßAugustus leicht in Hitze gerieth, gab er ihm, um ihn von hartenBeschlüssen abzuhalten, den Rath, er solle, so oft er in Zorn zu ge-rathen anfange, die vierundzwanzig Buchstaben des griechischen Al-phabets in Gedanken hersagen, damit jene nun augenblickliche Auf-wallung durch Ablenken der Seele auf einen andern Gegenstand nachkurzer Zeit sich lege. (16.) Was aber ein Beweis seltener Tugendist, noch trefflicher zeigte er sich ohne allen Zweifel nach der im Laufe
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