(13.) Zu seiner Zeit wurde ein römisches Heer summt den Tribunenund dem Proprätor jenseit de? Rheines vernichtet'); welchen Unfaller so schmerzlich empfand, daß er das Haupt heftig gegen die Wandstieß und durch Kleidung, (ungeschorenes) Haar und die übrigen Zeichender Trauer entstellt erschien. (14.) Auch das Verfahren seines Oheims,welchen, um sich beliebter zu machen, die Soldaten nach einer ganzneuen und schmeichelnden Sitte als „Kameraden" angeredet und da-durch das Ansehn des Regenten geschmälert hatten, mißbilligte er sehr.(15.) Gegen die Bürger benahm er sich äußerst mild; (16.) und gegenseine Freunde, unter welchen Mäcenas seiner Verschwiegenheit undAgrippa seiner Ausdauer bei anstrengender Arbeit und seiner Beschei-denheit wegen die erste Stelle cinnahmen, zeigte er große Treue; auchliebte er den Dichter Virgilius. Freundschaften schloß er zwar nurselten, war aber sehr beharrlich in ihrer Fortsetzung. (17.) Denschönen Wissenschaften, namentlich der Beredtsamkeit, lag er mit solchemEifer ob, daß ihm, selbst im Feldlager, nie ein Tag entschwand, ohnedaß er Etwas las, schrieb oder declamirte. (18.) Er erließ mehreretheils neue, theils verbesserte Gesetze unter seinem Namen ^), (19.)und erweiterte und verschönerte Rom mit vielen Gebäuden, weshalber sich rühmend äußerte: „Eine Stadt von Ziegelsteinen habe ich ge-funden, von Marmor hinterlasse ich sie." (20.) Er war sanft, ein-nehmend, herablassend, witzig, schön am ganzen Körper, besonders aberin Hinsicht der Augen; und ließ er die Augäpfel gleich den glänzend-sten Gestirnen funkeln, so nahm er es sehr beifällig auf, wenn dieseinen Blicken Begegnenden das Auge, wie vor den Strahlen derSonne, von ihm abwendeten. Als so einstmals ein Soldat die Augenvon seinem Gesicht abwandte und von ihm gefragt wurde, weshalb erdas thäte, antwortete derselbe: „weil ich den Blitz deiner Augen nichtertragen kann." (21.) Dennoch war auch dieser so große Mann nichtfrei von Fehlern. Denn er war etwas ungeduldig, ein wenig ^) zumZorne geneigt, im Geheimen mißgünstig, öffentlich parteisüchtig, über-dieß aber von einer allen Glauben übersteigenden Herrschsucht erfüllt
>) Der Verf. spricht von der Niederlage des Darus in Germanien.2) Sie hießen nämlich julische Gesetze.
5) Nach der Lesart lonitor (statt lovitsr) iraonncku».