Druckschrift 
1 (1866)
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

5

Schreibart des Verfassers selbst, die durch ungeschickte Stellungund Verbindung der Worte, so wie durch den meist verun-glückten Versuch längere Perioden zu bilden nicht selten unklarund schwer verständlich wird, wie denn überhaupt die ganzeAnlage, Darstellungsweise und Sprache der Schrift weit mehreinen Grammatiker, als einen Historiker verräth.

2) Auch die Schrift Von den berühmten Männernder Stadt Rom, welche unter ihren kurzen Biographienauch die von Nichtrömern enthält, welche mit Rom in Berüh-rung kamen, wie von Pyrrhus, Hannibal, Mithridatcs, jaselbst von der Königin Cleopatra, kann eben so wenig vonAnrelius Victor selbst hcrrührcn, als die zuerst genannte. Manhat sie, da sie gar nicht übel angelegt' ist und eine wirklichrecht belehrende und ziemlich ansprechende Uebersicht der wich-tigsten Momente aus dem Leben der geschilderten Personen gibt,selbst denn Cornelius Nepos, Suetonius, Plinius dem Jüngern,ja sogar dem Tacitns zugeschrieben, allein ihr ganzer Charakterund ihr höchst einfacher und kunstloser Stil unterscheidet siewesentlich von der Darstellungs- und Schreibart aller hier ge-nannten Schriftsteller. Das Merkchen scheint vielmehr ein garnicht ungeschickt gemachter Auszug aus irgend einem größernbiographischen Werke, vielleicht dem des Cornelius Nepos, zusein, und ist in einem ziemlich reinen und dabei lebendigen,klaren, sich gleich bleibenden Stil und meist kurzen, nur loseverbundenen Sätzen geschrieben.

3) Die Kaisergeschichte, welche sich selbst gewisser-maßen als eine Fortsetzung des Geschichtwerks von Titus Li-vius ankündigt, ist Wohl das einzige in dieser Sammlung ent-haltene ächte Werk des Anrelius Victor, und unterscheidet sichgleich ans den ersten Blick in Anlage und Stil so auffallendvon den vorher genannten Schriften, daß die Verschiedenheitder Verfasser auf der Hand liegt. Ist auch der Stil derselbenziemlich hart, rauh und ungefügig, so daß er das Geprägejener schon halb barbarischen Zeit deutlich genug an sich trügt,so zeichnet sie sich doch vor andern gleichzeitigen Geschichtwerkenimmerhin sehr vortheilhaft aus, ist ans guten Quellen ge-