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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

für die Porzellanmalerei eignen würden. Patera 1 ) hat ein Verfahrenzur Gewinnung relativ grösserer Mengen Vanadins als Nebenproductbei der Verarbeitung joachimsthalscher Uranerze angegeben. Einepraktische Verwendung des Vanadins ist schon von Berzelius vorge-schlagen worden. Derselbe 2 ) empfiehlt die schwarze Flüssigkeit, welcheman durch Vermischung der Lösungen von vanadinsaurem Ammoniakmit Galläpfelaufguss erhält, als vorzüglichste Schreibtinte. Die mitderselben hervorgebrachten Schriftzüge sind vollkommen schwarz, werdenvon Säuren nur blau gefärbt, nicht ausgelöscht und von verdünntenAlkalien nicht angegriffen; die Vanadintinte ist eine Auflösung undenthält keinen Niederschlag suspendirt, und die Menge des vanadin-sauren Ammoniaks, welche zur Erzeugung der Tinte nothwendig ist,ist so gering, dass sie, sobald man dem Vanadin häufiger begegnenwird, kaum in Betracht kommen kann. In neuerer Zeit ist die Vana-dintinte von Wagner 3 ) und Böttger 4 ) wieder in Erinnerung ge-bracht worden; der Letztere bemerkt, dass man durch Zusammenreibenvon 1 Thl. Pyrogallussäure, 3 Thln. fein gepulverten und gesiebtenarabischen Gummis und 3 Thln. neutralen vanadinsauren Ammoniaksunter Zusatz der entsprechenden Menge kalten Regenwassers in einemPorzellanmörser eine schwarze, aus der Feder fliessende Tinte erhält,welche nichts zu wünschen übrig lässt.

Thallium. Im Jahre 1861 entdeckte Crookes im Schlammeaus den Bleikammern der Schwefelsäurefabrik zu Tilkerode am Harzauf spectralanalytischem Wege das Thallium, während bald daraufLamy seine metallische Natur auf chemischem Wege feststellte. Seit-dem ist das Thallium im Schlamm vieler Schwefelsäurefabriken undals ein häufiger Bestandtheil von kupferhaltigen Kiesen, ferner im Nau-heimer Badesalz, im mährischen Lepidolith, im Lithionglimmer vonZinnwald, im käuflichen Wismuth und Tellur aufgefunden worden, sodass es demnach ziemlich verbreitet in der Natur zu sein scheint.Trotzdem das Thallium eines der jüngst entdeckten Metalle ist, so gehörtes doch bereits, Dank den Untersuchungen von Crookes, Lamy,Böttger, Willm, Werther, Strecker, Carstanjen, Rammeis-berg u. A., zu den am besten bekannten; es interessirt den Chemikerin hohem Grade durch die eigenthümliche Stellung, welche es unterden Elementen einnimmt. Während das Thallium einerseits durchseine leichte Oxydirbarkeit, durch die Löslichkeit und ätzenden Eigen-schaften seines Oxyds, die Isomorphie vieler seiner Salze mit den ent-sprechenden Kaliumsalzen nahe Beziehungen zu den Alkalimetallen

4 ) Patera, Dingl. pol. J. CXLI, 375; vergl. auch S. 841 dieses Be-richtes. 2 ) Berzelius, Lehrbuch 1845, III, 329. 3 ) Wagner, Wagn.

Jahresber. 1860, 291. 4 ) Böttger, Polytech. Notizbl. 1873, 287.