Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
1019
Einzelbild herunterladen
 

Seltene Metalle.

1019

die Verwendbarkeit der blauen Molybdänflüssigkeit in der Färbereiangestellt. Er kam zu dem Schlüsse, dass diese Methode zum Blaufärbenvon Seide sehr gut sich eigene; die blaue Färbung zeichne sich durchihre ausserordentliche Beständigkeit gegen Licht und Luft aus. Dage-gen sei die Methode für Baumwolle weniger gut, für Leinewand garnicht anwendbar. Auch im Seiden- und Baumwollen-Zeugdruck ge-statten die Molybdänverbindungen nur eine beschränkte Verwendung.Böttger J ) empfahl zum Blaufärben von Seide die Auflösung von Molyb-dänsäure in concentrirter Schwefelsäure bis zum Sieden der letzterenzu erhitzen, dann Alkohol vorsichtig hinzuzufügen und die Seide in dieentstandene tief gefärbte blaue Flüssigkeit zu tauchen. Wagner * 2 )bemerkt, dass nach seinen Erfahrungen die zum Färben geeignete blaueMolybdänflüssigkeit in vorzüglicher Beschaffenheit sich dadurch her-stellen lasse, dass man 20 Thle. molybdänsaures Natrium und 20 Thle.unterschwefligsauresNatriumin 250 Thln. Wasser löst, die Lösung bis zumSieden erhitzt und zu der wasserhellen Flüssigkeit nach und nach6 bis 8 Thle. Salzsäure von gewöhnlicher Concentration setzt, woraufdie Flüssigkeit sofort prachtvoll blau wird. Neuerdings hat Spring-mühl 3 ) eine Reihe von Färbeversuchen in dieser Richtung angestellt,aber ohne günstigen Erfolg; erhält die Anwendung des Molybdänblaueshöchstens zur Darstellung einiger Mischfarben (z. B. Grün mit Pikrin-säure) für vortheilhaft.

Vanadin. Das Vanadium, ein dem Chrom nahe verwandtesMetall, wurde 1830 von Sefström in gewissen schwedischen Eisen-sorten entdeckt, nachdem bereits Del Rio 1801 dasselbe in einemmexicaniscben Bleierz aufgefunden, sjräter aber seine Endeckung wider-rufen hatte. Das Vanadin findet sich als vanadinsaures Blei, ist aber,wie es scheint, in geringer Menge Bestandtheil einer grossen Zahl vonMineralien. So ist es in den Uranerzen von Joachimsthal, vonDeville 4 )im Eisenerz von Baux, von Sefström, später von Riley 5 ) in gewissenSorten vonRoheisen, vonRammelsberg 6 ) sogar in der Sodalauge gefun-den worden. Airsserdem enthalten viele Eisenschlacken, Kupferschlackenund Eisenerze Vanadin 7 ). Deville s ) spricht in Folge dessen die Ansichtaus, das Vanadin sei keineswegs so selten, als man früher zu vermuthensich für berechtigt hielt und könne deshalb möglicher Weise in der Indu-strie Verwendung finden; Vanadin liefert nämlich wie Chrom eine Reihesehr schöner Farben mit vielen Abstufungen, welche sich vorzugsweise

0 Böttger, Polytechnisches Notizhlatt 1871 , 156 ; Dingl. pol. J. CCI, 82 .

2 ) Wagner, Wagn. Jahresber. 1871 , 759 ; Dingl. pol. J. CCV, 386 . s ) Spring-

mühl, Grothes Musterzeitung 1871 , 315 , 329 ; Dingl. pol. J. CCII, 192 .

4 ) Deville, Compt. rend. XLIX, 210 ; Dingl. pol. J. CLXIII, 396 . 5 ) Biley,

Chem. Soc. J. [ 2 ] II, 21 ; Chemisches Centralbl. 1864 , 688 . °) Rammeis-

berg, Berl. Acad. Ber. 1864 , 680 . 7 ) Vergl. Wagn. Jahresber. 1859 , 134 .

8 ) Deville, Compt rend. XLIX, 212 .