Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
1000
Einzelbild herunterladen
 

1000

Gruppe III. Chemische Industrie.

dieser Erscheinung wird von Wittstein 1 ) ein Osmiumgehalt des Pla-tins, der sich während des Erhitzens verflüchtigt, von Pleischl 2 ) diemangelhafte technische Bearbeitung, in Folge deren kleine Zwischen-räume im Platin bleiben, die sich beim Erhitzen allmälig erweitern,von Erdmann und Pettenkofer 3 ) eine allxnälige Auflockerung undmoleculare Veränderung der Oberfläche angenommen. In den meistenFällen wird jedoch, wie Stolba 4 ) bemerkt, diese Erscheinung wohldurch die Einwirkung des Leuchtgases veranlasst, in dem sich beiHellrothgluth leicht Kohlenplatin bildet, welches fortgerissen wird unddie Tiegel rauh macht. Diese Wirkung findet um so weniger statt,je blanker der Tiegel ist, so dass die durch das Putzen der Tiegel mitSeesand immer blank erhaltene Oberfläche die Bildung von Kohlen-platinerschwert. Besonders schädlich wirken jedoch auf die Platintiegeldie häufigen Verunreinigungen des Leuchtgases, wie Schwefel- und,in seltenen Fällen, Arsenwasserstoff.

Mit Platin plattirte Gefässe. Man hat zu verschiedenenZeiten versucht, die kostspieligen Geräthschaften aus reinem Platindurch Geräthschaften aus Kupfer oder anderen Metallen, welche miteinem dünnen Platinblech plattirt sind, zu ersetzen. Bromeis 5 ) be-schrieb ausführlich das zum Plattiren verschiedener Metalle einzuschla-gende Verfahren. Er hält die Verbindung des Platins mit dem zuplattirenden Metall durch Löthen für ungeeignet. Zu einer dauer-haften Verbindung des Platins mit Silber bedarf es nach ihm lediglicheiner rein metallischen Oberfläche. Zum Plattiren des Kupfers undMessings sind zwei Wege anwendbar: entweder versilbert oder ver-goldet man die Oberfläche des Metalls oder man verbindet das Platin-blech mit der Unterlage durch Schweissen mittelst Platin schwamm.Auf diese Art plattirte Schalen sollen dem Angriffe der stärkeren Säurennoch widerstehen, wenn der Platinüberzug uur die Dicke von Vsooo Liniebesitzt. Durch wiederholtes Glühen blättert sich jedoch der Ueberzugab, so dass die Plattirung besser für Abdampfschalen als für Glüh-gefässe geeignet ist. Desgleichen berichtet Stahlschmidt 0 ), dass inplatinplattirten Kupferschalen, welche von der Firma Sy und Wagnerzu Berlin in den Handel gebracht wurden, die verschiedensten Säurenin jeder beliebigen Concentration Wochen lang aufbewahrt, sowohl imWasserbade wie über freiem Feuer abgedampft werden konnten, ohnedass eine Spur Kupfer aufgelöst wurde. Deville und Debray inihren Arbeiten über Platin empfehlen die Anwendung des geschmol-

J ) Wittstein, Dingl. pol. J. ÜLXXIX, 299. 2 ) Pleisclil, Pogg. Ann.

LXIII, 111. 3 ) Erdmann, J. Chem. LXXIX, 117; Dingl. pol. J. CD VI,

393. 4 ) Stolba, Dingl. pol. J. CXCVIII, 177. 6 ) Bromeis, Dingl. pol.

J. CXVI, 283. G ) Stahlschmidt, Verh. d. Vereins z. Bef. des Gewerbe-fleisses in Pr. 1865, 90. Dingl. pol. J. CLXXIX, 162.