Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
996
Einzelbild herunterladen
 

996

Gruppe III. Chemische Industrie.

Platinkörner vor dem Löthrohr auf Kohle geschmolzen hat, Au bei 1 )der Platin (und zwar bis l 1 /^ Lth.) in einem Racketteschen Eisen-hohofen zu wiederholten Malen geschmolzen hat (dessen Angaben vonHeraus 2 ) undRichter 3 ) in dem angedeuteten Sinne widerlegt wordensind), und von Violette *), welcher angiebt, 50 g Platin in einem Wind-ofen geschmolzen zu haben. Deville 5 ) hat im Jahre 1852 dieConstruc-tion eines Gebläseofens angegeben, mit dessen Hilfe es ihm gelungenist, in Kalktiegeln (so dass eine Verunreinigung des Platins und diehierdurch veranlasste Erniedrigung des Schmelzpunktes ausgeschlossenwar), Platin zu schmelzen. Der Erste, welcher das Knallgasgebläse an-wandte, um grössere Mengen Platin zu schmelzen, war Haie 6 ), esgelang ihm, 28 Unzen Platin, auch Iridium und Rhodium in relativgrösseren Mengen zu schmelzen; ferner sind vonBishop undRobertsin Newyorlt grössere Massen Platin auf diese Weise geschmolzen.Deville und Debray?) haben das Verfahren, Platin mittelst Knall-gas zu schmelzen, durch Anwendung einer besonderen Ofenconstructionso vervollkommnet, dass dasselbe für den fabrikmässigen Betrieb geeignetwurde. Der von denselben angewandte Ofen besteht in seinem wesent-lichsten Theil aus zwei gut auf einander passenden, innen mit Höh-lungen zur Aufnahme des Platins versehenen, Hälften aus gebranntemKalk. Das Gebläse wird durch eine Oeffnung des oberen, als Deckeldienenden Stückes eingeführt, während eine seitlich befindliche Rinnezum Hineinbringen und Ausgiessen des Platins dient. Zum Ausgiessendes geschmolzenen Platins eignen sich besonders die von Heräuszuerst benutzten Formen aus geschmiedetem Eisen, auf deren Boden,um die aus der Schmelzbarkeit der Form entspringenden Uebelständezu beseitigen, ein Platinblech von 1 mm Dicke gelegt ist. Der Kalkempfiehlt sich als Material für die Herstellung der Oefen deshalb, weiler ein schlechter Wärmeleiter ist, die Wärme wie das Licht sehr voll-kommen ausstrahlt und selbst reinigend auf das Platin einwirkt, indemdie Verunreinigungen desselben, wie Eisen, Silicium u. s. w., oxydirtwerden und in Verbindung mit Kalk als leichtflüssige Schlacke in denKalk einziehen. Die grossen Mengen Sauerstoff, welche für den Betriebnothwendig waren, gaben Veranlassung zur Aufsuchung neuer Methoden,den Sauerstoff im Grossen darzustellen. (Vergl. den Aufsatz: Sauerstoff,S. 1 dies. Ber.) Statt des Wasserstoffs ist später Leuchtgas in Anwendunggekommen. Als eine für den Chemiker erfreuliche Errungenschaft der

!) Aubel, Dingl. pol. J. CLXY, 278; CLXVIII, 28. 2) Heräus, Dingl.

pol. J. CLXVII, 132. 3 ) Eichter, Wagn. Jahresber. 1863, 148, aus Berg-

u. Hüttenm. Ztg. 1863 , 195. 4 ) Yiolette, Compt. rend. LXXV, 1027;

Dingl. pol. J. CCYI, 283. 6 ) Deville, Compt. rend. XXXY, 796 ; Dingl.

pol. J. CXXVII, 114. °) Hare, Phil. Mag. 1847, 356; Dingl. pol. J. CYIII,

270. 7 ) Deville u. Debray, Ann. chim. phys. [3] LVI, 385; Dingl. pol.

J. CLIV, 130.