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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Zinn.

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worden, zu welcher Zeit man in Holland die Kunst erfand, aus der Coche-nille mit Hilfe von Zinnsalzen die prachtvolle Scharlachfarbe herzustellen.

Das am meisten verwendete und wichtigste aller Zinnpräparate istdas Zinnsalz (Sn Cl 2 4" 2 If 2 0).

Die Darstellung ist eine Überairs einfache: Man löst Zinn in Salz-

säure auf und dampft zur Krystallisation ein. Im Grossen bedient mansich der kupfernen Kessel, die nicht angegriffen werden, wenn mannur stets für einen grossen Uebersehuss an Zinn sorgt. Ausführlichhat Röscher 1 ) über die Darstellung des Zinnsalzes-berichtet. AuchLunge 2 ) hat über die Darstellung des Zinnsalzes im Grossen ausenglischen Fabriken Mittheilungen gemacht. In einer englischenFabrik wurden die aus dem Sulfatofen austretenden Dämpfe direct aufgranulirtes Zinn geleitet; dieses befand sich in 5 Fuss hohen und3 Fuss weiten Cylindern, die aus einem irdenen Kern und gusseisernenMantel bestanden. Unten hatten die Gefässe eine Abflussöffnung undman erhielt eine concentrirte Zinnauflösung, die nach dem Ablassenkrystallisirte. Um eine klare Zinnauflösung zu gewinnen, liess man dieAuflösung in grossen kupfernen Gefässen sich absetzen. Die Zersetzungdes Kochsalzes geschah in Cylindern. Die Methode scheint nichtempfehlenswerth. Mit der Salzsäure verflüchtigt sich jedenfalls Schwefel-säure und wahrscheinlich auch Eisenchlorid, von den eisernen Cylindernherrührend, das zur Verunreinigung des Zinnsalzes beiträgt. Arbeitetman nach der gewöhnlichen Methode, so kann man sich reines Zinnund reine Salzsäure aussuchen, und es kommt bei einem Präparate, dasdurchschnittlich 30 Thlr. pr. Ctr. kostet, und das zur Darstellung vonlebhaften Farben verwendet wird, bei Weitem mehr darauf an, einreines Präparat zu erhalten, als eine geringe Ersparniss zu erzielen.

Bei dem oben beschriebenen Verfahren ist auch nicht ersichtlich,wie die Mutterlaugen, die bei der Krystallisation des Zinnsalzes Zurück-bleiben, weiter verwendet werden.

Eigenthümlich ist Lunges Angabe, dass aus demSchlamm,der sich aus der Zinnauflösung absetzt, durch Blei das Zinn reducirtwird. DieserSchlamm, der bei Anwendung reiner Materialien imhöchsten Grade unbedeutend ist, und im obigem Falle wohl nur vonder eigenthümlichen Bereitungsweise herrührt, kann mit salzsäurehal-tigem Wasser ausgewaschen und dieses stets wieder mit zur Auflösungvon Zinn verwendet werden. Ueber die Zusammensetzung des Zinn-salzes hat Gerlach 3 ) Mittheilungen gemacht. Das Zinn hat bei'denverschiedenen Krystallformen eine gleiche Zusammensetzung, die stetsder oben angeführten Formel entspricht.

J ) Röscher, Dingl. pol. J. CLXXXVI, 38, u. Iolyt. Centralbl. 1867,1491. 2 ) Lunge, Dingl. pol. J. CXC, 37, u. Polyt. Centralb. 1869, 119,

8 ) Gerlacli, Wagn. Jahresb. 1867 , 301.