Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
844
Einzelbild herunterladen
 

844

Gruppe III. Chemische Industrie.

zeugen, als dies bis jetzt möglich war. Bis heute haben diese Legi-rungen wegen ihres theuren Gestehungspreises leider noch keine tech-nische Verwendung finden können.

Darstellung des Mangans. Das metallische Mangan lässtsich auf verschiedene Weise aus seinen Verbindungen isoliren. Mankann zu seiner Gewinnung mit Brunner 1 ) den Weg einschlagen, aufwelchem das Aluminium erhalten wird, also Manganchlorür oder Man-ganfluorür durch metallisches Natrium in der Weissglühhitze reduciren.Oder, wie Giles 3 ) und Ronssin 3 ), Manganamalgam (aus Mangan-chlorür mittelst Natrium zu erhalten) in einer indifferenten Gasatmo-sphäre der Destillation unterwerfen, wobei sich das Quecksilber ver-flüchtigt und das Mangan in Form einer schwarzen schwammigenMasse zurückbleibt. Auch Bunsens 4 ) Methode, nach welcher Man-ganchlorürlösung der Einwirkung eines starken elektrischen Stromesunterworfen wird, führt zum gewünschten Ziele, allein hauptsächlichist es die Eigenschaft der Kohle, bei hoher Temperatur den Mangan-oxyden ihren Sauerstoff zu entziehen, welche zur Darstellung desManganmetalls benutzt wird. Diese letztere Methode ist offenbar auchfür eine Darstellung im Grossen am geeignetsten, da sowohl das Man-ganoxyd als auch die Kohle leicht und billig in genügender Reinheitund geeigneter Form zu beschaffen sind. Leider ist aber die Reductiondes Manganoxyds wegen der Schwerschmelzbarkeit und der leichtenOxydirbarkeit des Manganmetalls eine äusserst schwierig ausznführendeOperation. Die zahlreichen Vorschriften, die gegeben worden sind,laboriren alle an irgend einem Mangel, welcher ihre Ausbeutung fürindustrielle Zwecke unthunlich macht. Entweder war der Erfolg nichtsicher'genug, die Ausbeute zu schlecht, oder die Operation zu zeit-raubend. Nach John mengt man künstliches, durch Glühen von Man-gancarbonat im verdeckten Tiegel erzeugtes Manganoxyd mit Oel anund glüht die Masse in einem Tiegel, um das Oel zu verkohlen. DieseOperation wird mehrere Male wiederholt und schliesslich die schwarzekohlehaltige Masse, wieder mit Oel zu einem dicken Brei angerührt, ineinen mit Kohle ausgefütterten Tiegel gebracht. Nachdem man denTiegelinhalt mit Kohlenpulver bedeckt hat, glüht man zur Zerstörungdes Oels etwa 4 / 2 Stunde bei Rothgluth, worauf man ihn etwa 1Stun-den der heftigsten Hitze des Gebläseofens aussetzt. * Nach dem Erkal-ten des Tiegels findet man das Metall auf dem Boden in Form einesRegulus, der aber noch nicht aus reinem Metall besteht, sondern grössereoder kleinere Mengen Kohle und Silicium enthält. Durch Umschmelzenim Kohletiegel unter einer Decke von Borax kann es gereinigt werden.

P Brunner, Pogg. Ann. CI, 264. 2 ) Gfiles, Pliil. Mag. [47] XXV,

328. 3 ) Roussin, Zeitsclir. f. anal. Chem. VI, 100. 4 ) Bunsen,Pogg. Ann.

XCI, 619.