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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Tiegelstahl, welcher den Ausgangspunkt für eine ganz neue Methodeder Stahlfabrikation gebildet hat, ist hier noch der Uchatius-Stalilanzuführen. Derselbe war vertreten durch die Fabrikate von C.-R. Ulffin Wikmansliytta in Schweden, der einzigen Hütte, wo er noch imGrossen aus gutem granulirten Roheisen mit etwas Kohlenpulver undeinem Zuschläge von reichen 70procentigen Eisenerzen von Bispbergin Grapbittiegeln erzeugt wird. Er ist sehr zähe und hart, doch istgrösste Reinheit der dazu verwendeten Rohmaterialien die ersteBedingung, die nicht leicht zu erfüllen ist. Hauptmann FranzUchatius, jetziger General und Erfinder der sogenannten Stahl-bronze, die aber gar kein Stahl, sondern gewöhnliche, rasch abgekühlteBronze ist, patentirte sein Verfahren schon 1856 und die ersten damiterzielten Resultate bei der französischen Nordbahn, in Sheffield undNewburn in Amerika gaben ganz befriedigende Resultate, die aberspäter nicht anhielten, offenbar weil nicht immer geeignete Materialienzu beschaffen waren. Auch griffen die reichen Eisen- und Mangan-oxyde, welche als entkohlender Zuschlag angewendet wurden, die Tie-gel sehr gewaltsam an und durch die so gebildete Schlacke entstandenviele andere Unzuträglichkeiten, die verschwanden, sobald man gelernthatte statt der Tiegel den Herd eines Flammofens anzuwenden.

Flammofen-Gussstahl. Grössere Massen von Stahl im Flamm-ofen unter einer Schlackendecke zu schmelzen war oft, doch immermit schlechtem Erfolge versucht worden. Erst C. Lan 1 ) war imStande,1858 ein genügendes Resultat auf der Sandsteinsohle eines Flamm-ofens , die auch von unten erhitzt wurde, zu erzielen und seit dieserZeit datirt die Fabrikation des Flammofen-Gussstahls, die aber erstdurch Einführung der Si einen sschen Regenerativ-Feuerung zuihrer heutigen Sicherheit gelangte. Sie wurde zuerst im Grossenvon E. und P. Martin zu Sireuil im Jahre 1864 in Frankreich aus-geführt und war anfangs das Uchatiussche Verfahren im Flamm-ofen, das später jedoch so modificirt wurde, dass dem geschmolzenenRoheisen ausser reichem Eisenstein weissglühend gemachte und theil-weise oxydirte Schmiedeeisen- und Stahlabfälle portionenweise zu-gesetzt wurden. Die schon vor 40 Jahren patentirte Methode vonHeath bestand gleichfalls im Zusammenschmelzen von Roheisen undSchmiedeeisen, daher der Martin-Process der neueren Zeit eine Coinbi-nation der Methoden von Uchatius und Heath ist, und statt inTiegeln, in einem Siemenssehen Regenerativ-Schmelzofen ausgeführtwird 2 ). Die erste grössere Martin-Stahlhütte wurde zu Firminy imLoiredepartement angelegt, und bestand aus zwei Siemens-Schmelzöfen

Lan, Bullet, de la societd dindustrie minerale. IV, 572; Dingl. pol.J. OLIV, 105. a ) Berg- u. Hiittenm. Ztg. 1867, 364.