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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Das rückbleibende Grün wird getrocknet und in dieser Form in denHandel gebracht. Nach den Analysen von Shipton 1 ), der verschie-dene Sorten dieses Grüns untersuchte, welche in der Fabrik vonKest-ner in Thann bereitet waren, und darin im Durchschnitt neben76'47 p. C. Chromoxyd 1D43 p. C. Wasser und 12'10 p. C. Borsäurefand, scheint dieses Grün ein basisches wasserhaltiges Chromoxydsalzder Borsäure zu sein. Wichtige Aufschlüsse über die Natur desGuig-netschen Grüns brachten die Untersuchungen von Scheurer-Kest-ner 2 ). Er zeigte, dass die Gegenwart der Borsäure in dem fertigenProducte unwesentlich ist. Es gelang ihm, wenngleich auf Umwegen,sämmtliche Borsäure zu entfernen, und er erhielt ein Oxyd von derFormel: 2Ci 2 0 3 , 3 H 2 0, welches in allen seinen äusserlichen Eigen-schaften mit dem borsäurehaltigen Handelsproducte übereinstimmte.Nach den Versuchen von Scheurer-Kestner bildet sich beim Zu-sammenschmelzen von Kaliumbichromat und Borsäure zunächst einwasserfreies borsaures Salz, das dann später in Berührung mit Wasserunter Wärmeentwickelung zerfällt. Der Verlauf des Processes istdurch folgende Gleichung ausgedrückt: -

16 (H 3 Bo O s ) + K 2 Cr, 0 7 = Cr, (Bo. t 0 7 ) 3 -f K, Bo 4 0 7 + 24 II 2 0 + 3 0.

Nach späteren Versuchen von Scheurer-Kestner ist zur^Bil-dnng des Grüns ein Alkali nicht nothwendig. Mau kann an Stelle desBichromats die Chromsäure, ja selbst Chromoxydhydrat nehmen. Dasgebildete Product ist stets mit dem Guignetschen Grün identisch.Das gebildete Chromoxydborat zerfällt, mit Wasser zusammengebracht,(ebenso wie das borsaure Eisenoxyd und die borsaure Thonerde) inHydrat und freie Borsäure. Das Alkali im Kaliumbichromat hat nurdie Function, mit der Borsäure verbunden, das Schmelzen der Massezu befördern.

Auf der Weltausstellung in London war neben den von Kestnerin- Thann ausgestellten schönen Proben des Guignetschen Grünsauch ein von Meyer in Augsburg dargestelltes Grün unter dem NamenMittlers Grün vertreten. Nach dem Berichte von A. W. Hofmannsoll dasselbe aber mit Guignets Grün identisch sein.

Der grosse Absatz, den Guignets Grün im Handel fand, veran-lasste eine grosse Anzahl von Nachahmungen. Arnaudons 3 ) Grünwird erhalten, indem man 128 Thle. krystallisirtes neutrales Ammo-niumphosphat und 149 Thle. Kaliumbichromat innig mischt, und dieerhaltene Mischung auf 170 bis 180° erhitzt. Es entweichtWasser, Stickstoff und etwas Ammoniak, welches der Reaction entgeht.

!) A. W. Hofmann, Eeports by the Juries 1863, 75. 2 ) Scheurer-

Kestner, Bull. soc. chim. 1865, 23; Dingl. pol. J. CLXXVI, 386. Wagn.Jahresber. 1865, 380. s ) J. Arnautlon, Technologiste, Juillet. 1859, 522.Wagn. Jahresber. 1859, 268.