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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Richters schlug in Folge dessen vor 1 ), hei leicht schmelzbarenThonen statt Kieselsäure reine Thonerde, deren Gegenwart bekanntlichden Schmelzpunkt eines Thones erhöht, als Zusatz anzuwenden undeine über Rothgluth hinausgehende Temperatur für den Versuch zuwählen. Bei Anstellung der Versuche wurden dann die schwerschmelzbaren Thone mit soviel Kieselsäure, die weniger schmelz-baren mit soviel Thonerde versetzt, dass sie in einer bestimm-ten und zwar hohen Temperatur alle ein gleiches Verhalten zeigten.Den Grad der Schwerschmelzbarkeit drückt er durch Zehnteltheilevom Gewicht eines Thones an Quarz oder Thonerde aus, indem erden Thonerdezusatz mit dem Zeichen, den Quarzzusatz mit demZeichen -|- andeutet. Bischof 2 ) wendet dagegen ein, dass einesehr kleine Menge Thonerdezusatzes schon eine sehr bedeutendeWirkung ausübe, die Messscale also sehr klein werde, und empfiehlteine Mischung von reiner Kieselsäure und reiner Thouerde als Normal-zusatz bei den pyrometrischen Versuchen anzuwenden. Als Versuchs-temperatur nimmt er diejenige, welche genügt, einen Eisendralit abzu-schmelzen , und beobachtet den Grad der Einwirkung daran, ob einauf dem Brach der Probe geführter Strich mit Dinte noch auseinander-läuft oder ob dies durch den bereits porzellanartig gewordenen Bruchverhindert wird. Als Normalthon nimmt er den Garnkirkthon miteinem Theil Normalzusatz an, stezt diesen = 100 und drückt den Gradder Schmelzbarkeit bei den übrigen Thonen dadurch aus, dass er dasZehnfache des Normalzusatzes, welchen jeder Thon bedarf, um ein glei-ches Verhalten mit dem Normalthon bei hoher Temperatur zu zeigen,von 100 abzieht. Er theilt die sämmtlichen vorkommenden Thonein Betreff ihrer Schmelzbarkeit in sieben Classen ein, und stellt fürjede Classe einen Repräsentanten auf. Den Kaolinen primärer Lager-stätte räumt er bei dieser Aufstellung die Gasse II. ein und findet denGrad der Schmelzbarkeit = 70. In einer späteren Abhandlung 3 )stellt er eine Rangstufe der bekanntesten Kaoline in pyrometrischerHinsicht auf.

Nachdem so auf empirischem Wege eine Werthstellung der Thoneermöglicht war, giebt Bischof 1 ) auch einen Weg an, theoretisch denWerth der feuerfesten Thone zu bestimmen. Er stellt nämlich denSatz auf, dass für die grössere oder geringere Schmelzbarkeit der Thonenur das Verhältniss von Thonerde zu Flussmittel und von Thonerdezu Kieselsäure maassgebend sei, und zwar sei ein Thon um so schwererschmelzbar, je mehr Thonerde er auf ein Gewichtstheil Flussmittel ent-halte und je geringe!' die Menge Kieselsäure sei, welche auf ein Theil

9 Richters, Dingl. pol. J. CIXC, 150. 2 ) C. Bischof, Dingl. pol.

J. CV1C, 420. 3 ) C. Bischof, Dingl. pol. J. CIIC, 396. 4 ) C. Bischof,

Dingl. pol. J. CC, 110, 289.