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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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694 Gruppe III. Chemische Industrie.

Eine grosse Anzahl von Kritikern spricht sich mehr oder wenigerlobend über.sie aus. Alle beurtheilen aber hairptsächlich nur den künst-lerischen Tlieil derselben, die Gestaltung' und die Malerei. Der Antheil,welchen die Wissenschaft, die Chemie und Physik, au ihrer Darstel-lung hat, springt weniger in die Augen und es ist wohl die Frage be-rechtigt, ob überhaupt die Chemie in den letzten zehn Jahren der Por-zellanindustrie erhebliche Dienste geleistet hat. Ihr Einfluss ist jeden-falls nicht zu verkennen. Wir begegnen den Spuren ihres Schaffensfast -in allen Stadien der Fabrikation. Dieselben liegen indess nichtimmer klar zu Tage, sondern lassen sich oft nur auf indirectem Wegeerkennen.

Was zunächst die Zusammensetzung der Massen betrifft, welchezur Erzeugung des Porzellans dienen , so ist dem Fabrikanten leidereine entschieden conservative Richtung vorgezeichnet, denn abgesehendavon, dass eine Aenderung der Masse auch leicht eine Aenderung derGlasur und des zum Gutbrennen nöthigen Feuergrades bedingt, ist esschwierig, der neuen Masse die gleiche Schwindung zu sichern, welchedie ältere besessen und doch ist dies nöthig, da die Gegenstände, welcheeine Fabrik einmal fabricirt hat, ergänzt werden sollen und einanderalso möglichst ähnlich, vor Allem aber an Grösse gleich sein müssen.Die Formen und Modelle indess, welche ein bedeutendes Capital derFabrik repräsentiren, können unmöglich gleichzeitig mit der Masseauch verändert werden. Jeder Fabrikant scheut sich deshalb, anden erprobten und als gut erkannten Zusammensetzungen seinerMasse Veränderungen vorzunehmen; aber so sehr er sich auch da-gegen sträubt, ist er doch oft gezwungen, von den älteren Vorschriftenabzuweichen, da die Erde, welche er verwendet, auch wenn sie vonderselben Lagerstätte kommt, sich bisweilen etwas in ihrer Zusammen-setzung und natürlich auch in ihren Eigenschaften ändert. Jede Aen-derung der Erde aber macht natürlich auch eine Aenderung der Zusätzenöthig. Ebenso kann der Fall eintreten, dass das bis dahin verwen-dete Rohmaterial sich durch besseres ersetzen lässt, oder dass eine ganzneue Masse in die Fabrikation eingeführt werden soll; stets ist esnöthig, um kostspielige und oft langwierige Versuche zu vermeiden,eine genaue Keuntniss der Rohmaterialien zu besitzen. Zur Prüfungund Feststellung des Werthes der Rohmaterialien fehlten aber bisdahin geeignete Methoden. Rei Feldspath und Quarz machte sich diesweniger fühlbar, weil der Werth hei diesen hauptsächlich auf Rein-heit und Abwesenheit färbender Substanzen beruht, anders aber ist esbei dem Thon. Man wird allerdings bei der Werthschätzung einesKaolins, welcher zur Darstellung von Porzellan benutzt werden soll,vorzugsweise auch auf die weisse Farbe sehen, welche er nach demBrennen zeigt; diese ist indess nicht allein maassgebend, sondern manmuss ihn, wie die Thone secundärer Lagerstätte, welche als Material