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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

lassen sich in dieser Weise Nachahmungen von lithographischen Stei-nen aus feinkörnigem Kalk hersteilen. Kreide erlangt dadurch dieHärte des Flussspaths, wird also härter als Marmor. Die Thonerde,welche die Poren der Steine ausfiillt und ihre Oberfläche überzieht,schützt dieselben nicht nur vor dem Eindringen von Staub und Feuch-tigkeit, sondern gestattet wegen ihrer Unlöslichkeit auch, Wasser undStaub bis auf die letzte Spur von der Steinoberfläche wegzuwischen.

Herr M. Lewin x ) imprägnirt die Sandsteine der Saxoniabrüchein Neuendorf bei Pirna mit kieselsaurer Thonerde. Die Kieselsäurewird als Kaliwasserglaslösung, die Thonerde als Aluminiumsulfat aufden Stein gebracht. Nach dem Imprägniren kann man den Stein poli-ren wie Marmor. Durch Zusatz von Farbstoffen zu den aufzutragendenFlüssigkeiten kann man ihm jede beliebige Färbung ertheilen. Wirdder imprägnirte Stein hohen Temperaturen ausgesetzt, so erhält ereine Art Verglasung. Seine Widerstandsfähigkeit gegen Feuer, Luftund Feuchtigkeit soll vorzüglich sein.

Bei dem als französischer Cement, Alaungyps (plätre ahme)bekannten und geschätzten Material zur Bereitung von Stuck u. s. w.liegt nach -neueren Untersuchungen des Herrn Land rin 2 ) der Grunddes langsamen Erhärtens, und der bedeutenden Härte des Materialsnicht in der Behandlung des Gypses mit Alaunlösung, sondern in derNeutralisation.. des im natürlichen Gyps in grösserer oder geringererMenge enthaltenen kohlensauren Kalks durch Schwefelsäure.

Behandeln des Gypses mit Schwefelsäure allein gab Herr Land-rin bessere Resultate als das bisherige Verfahren mit Alaunlösung(s. den Artikel Calcium, S. 543).

Das Natronaluminat wird nach denChemical New s 3 ) viel-fach bei der Fabrikation von Milchglas (Halbporcellan), aus welchemman z. B. die Glocken für Gasflammen herstellt, an Stelle des Kryo-liths (vergl. o. S. 638) verwendet. Es wird dabei das Auftreten vonFluorsiliciumgas, welches bei Anwendung von Kryolith die Glashäfenstark angreift, vermieden. Bei der Bildung des Glassatzes werden l s / 4Ctr. Kryolith und 1 /i 0 Ctr. calcinirte Soda durch 1 Ctr. Natronaluminatersetzt. Das Aluminat aus den Kryolith- oder Bauxitfabriken ist völligfrei von Eisen, was beim Kryolith selbst niemals der Fall ist.

Die übrigen höchst mannigfachen Verwendungsweisen, welche derAlaun und die Thonerdeverbindungen überhaupt erfahren, dürfen, dadas letzte Decennium in dieser Beziehung keine besonderen Fortschrittezu verzeichnen hat, unerwähnt bleiben.

b Lewili, Polyt. Notizbl. 1874, Nr. 23. 2 ) Landrin, Compt. rend.

LXXIX, 658; vgl. auch Ber. ehern. Ges. 1874, 1544. 8 ) Chemie. News 1870,

317; Dingl. pol. J. CXCVI, 412; Deutsche Industrieztg. 1870, 258; Wagn.Jaliresber. 1870, 231.