655
Aluminium und Aluminiumverbindungen.
ein schöneres Aussehen des Brots zu erzielen. Dieser Missbrauch istbesonders in England, Frankreich und den Niederlanden verbreitet.Der Nachweis des Alauns im Brot gelingt leicht mit Hilfe von Blau-holztinctur. Wird alaunhaltiges Brot einige Minuten lang in eineMischung von Blauholztinetur und kohlensaurem Ammoniak gelegt, sofärbt es sich beim Trocknen violett bis blau J ).
Vor zwei, drei Jahren wurde in allen öffentlichen Blättern vonEngland aus starke Reclame für ein neues Antisepticum und Des-infectionsmittel gemacht, das im Wesentlichen aus Aluminiumchloridbestand. Es wurde in flüssiger Form als „ Chloratum“, in Pulver-form als „ Chioralumpowder “, ferner als „ Chloralum-Wool and Wad-ding“ vertrieben. Nach einer Analyse des Hrn. Alex. Müller * 2 )befinden sich in den 19 1 p.C. festen Bestandtheilen der Chloralum-lösung 16 p. C. Aluminiumehlorid. Derselbe, sowie auch Hr. H. Fleck 3 )vermuthen, dass die Chloralumpräparate durch Einwirkung roher aberziemlich eisenfreier Salzsäure auf schwach gerösteten Porcellanthonerhalten werden. Die concentrirte klare Lösung ist das Chloralum;der abgeschiedene Schlamm, sammt der anhängenden Flüssigkeit ein-gedampft, bildet das Chloralumpulver. Nach Hrn. Gamgee 4 ) wirddas Chloralum durch Zersetzen von Chlorcalcium mit Aluminium-sulfat und Eindampfen der vom Gypsniedgrschlag getrennten Flüssig-keit gewonnen. Während Hr. H. Fleck 5 ) die Chloralumpräparate aufGrund ihres Preises und seiner Ansicht nach geringen Desinfections-werthes verurtheilt, werden sie von Hrn. J. Versmann 6 ) lebhaft inSchutz genommen. Nach einem Vorschlag des Hrn. W. J. Cooper 7 )soll der zur Strassenbesprengung in England vielfach angewendetenChlorcalciumlösung Chloralum zugesetzt werden, um dem gesundheits-schädlichen Einflüsse faulender organischer Stoffe, die sich in denStrassen ausammeln, entgegenzuwirken.
Auch zur Lösung der vielfach ventilirten Frage der Steincon-servirung hat eine Thonerdeverbindung beigetragen. Die HerrenDent und Brown 8 ) haben die Entdeckung gemacht, dass oxalsaureThonerde, eine saure Lösung von Thonerdehydrat in wässeriger Oxal-säure, auf die Steine mittelst einer Bürste aufgetragen, in vorzüglichemGrade conservirend wirkt. Dieses einfache Verfahren ist anwendbarauf Dolomit, Marmor, feinkörnigen Kalk, Schiefer, Kreide u. s. w. Auch
4 ) Vgl. John Horsley, Cliem. News 1872, XXV, 238 ; L. A. Büch-ner, Neues Repert. f. Pharm. 1872, 143; Wagn. Jahresber. 1872, 478.
2 ) A. Müller, Ber. chem. Ges. 1872, 519. 8 ) Pieck, Dingl. pol.
J. CCIII, 223; Wagn. Jahresb. 1872, 320. 4 ) Gamgee, Archiv der
Pharm. CXCYI, 181. r >) H. Pieck, Dingl. pol. J. CCIII, 223; Wagn.
Jahresber. 1872, 320. c ) J. Versmann, Deutsche Industrieztg. 1872, 87 ;
Wagn. Jahresb. 1872, 324. 7 ) Cooper, Deutsche Industriet.zg. 1870, 470.
s ) Dent u. Brown, Monit. scientif. 1868, 919; Deutsche Industrieztg. 1868,
95; Wagn. Jahresber. 1868, 446.