Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
614
Einzelbild herunterladen
 

614

Gruppe III. Chemische Industrie.

sondern nach Tissier nur dann, wenn es mit ätzenden Alkalien be-feuchtet ist. Das Amalgam ist sehr brüchig; das Aluminium darinoxydirt sich leicht an der Luft, zersetzt das Wasser, verhält sich über-haupt wie ein Metall der alkalischen Erden.

Die Herren Jehn und Hinze ') haben gefunden, dass, als Alumi-nium auf mit Quecksilber imprägnirtem Leder gerieben wurde, es sichzu Thonerde oxydirte. Vielleicht war auch hierbei zunächst ein Alu-miniumamalgam entstanden.

Mit Eisen liefert das Aluminium ausserordentlich harte Legirungen.Eine Verbindung von 24'5 Gewthln. Aluminium und 75'5 Gewthln.Eisen ist silberweiss und rostet nicht an der Luft. Beim Behandelnderselben mit verdünnter Schwefelsäure wird das Eisen aufgelöst und dasAluminium bleibt zurück. Hr. Benzon 2 ) hat sich eine Methode paten-tiren lassen, nach welcher eine Aluminium-Eisen-Legirung durch Glüheneines Gemisches von Thonerde, Kohle und Eisen oder Eisenoxyd sollerhalten werden können. Ein geringer Zusatz (8 pro Mille) von Alu-minium zum Stahl soll diesem alle Eigenschaften des besten Bombaywootz ertheilen.

Sonstige noch dargestellte Aluminiumlegirungen haben ein aus-schliesslich wissenschaftliches Interesse.

Die Aluminiumverbindungen, welche in grosser Menge tech-nische Anwendungen finden, sind: Verschiedene Thonerdesilicate, Ultra-marin, Alaun, Thonerdesulfat, Thonerdeacetat, Natriumaluminat. Essind dies Producte der chemischen Grossindustrie; wir sehen hier voneinigen anderen Aluminiumverbindungen, die, wie das Aluminium-hyposulfit und -hypochlorit in verhältnissmässig geringer Menge er-zeugt und verwendet werden, für den Augenblick ab. -Von den ebenerwähnten Körpern bilden die Thonerdesilicate die Grundlage derZiegelfabrikation und der Herstellung der gewöhnlichen Töpferwaaren,der Fayence und des Porcellans (vergl. d. Art); auch das Ultramarin findetseine besondere Beschreibung. Wir wenden uns an dieser Stelle zu-nächst zur Technologie der oben erwähnten übrigen vier Aluminium-verbindungen.

Die Materialien, deren sich die Industrie zur Darstellung derselbenbedient, sind in der Natur massenhaft und weit verbreitet. Man kannsie nach dem Vorgänge R. Wagners in vier Gruppen eintheilen.

1. Die erste Gruppe umfasst diejenigen, welche Aluminium, Ka-lium und Schwefelsäure enthalten. Dies sind die zur Alaunbildung

*) Jehn und Hiuze, Deutsch, ehern. Ges.-Ber. 1874, 1498. 2 ) Ben-

zou, Rep. of patent-invent., Aug. 1859, 130; Dingl. pol. J. CLIII, 356;Vergl. ferner Rogers, Mouit. industr. 1859, Nro. 2729; Wagn. Jahresber.1859, 10.