Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
587
Einzelbild herunterladen
 

Mörtel und Cement.

587

Michaelis 1 ), in seinem oben erwähnten Werke, leitet das frei-willige Zerfallen der Portlandcemente von falschen Mischungsverhält-nissen her, die sich in der Kegel schon durch eine braungelbe statt dergrauen Farbe verrathe. Die thonreichen Mischungen namentlich,welcheauf 100 Aequivalente Kieselerde und Sesquioxyde 200 AequivalenteKalk und weniger enthalten seien es, welche hei der Abkühlung mehroder weniger zerfallen. Solche Cemente gäben kein schuppiges Pul-ver von muschligem Bruch, sondern ein amorphes erdiges oder losesKrystallmehl. Die Erscheinung des spontanen Zerfaliens, dem Cementnicht eigenthümlich, sondern bei Hohofenschlacken und Laven ebensobekannt, sei aus verschiedenen Gründen (Abhängigkeit von der Mi-schung, Wirkungslosigkeit des langsamen Kühlens u. s. w.) nicht so-wohl einem physikalischen, als vielmehr einem chemischen Spannungs-zustande zuzuschreiben. Einerseits lasse der zu geringe Gehalt anKalk die Entstehung von Verbindung des Eisenoxyds und der Thon-erde mit der Kieselerde zu ; andererseits sei aber der Hitzegrad- beimBrennen nicht hoch genug, um diesen Verbindungen hinreichendeStabilität zu geben, bei der Abkühlung fielen die Molecule der Be-standtheile auseinander. Thatsächliche Beweise für diese Erklärungsind übrigens nicht gegeben.

DasTreiben oderQuellen des Cements, oft bis zum gänz-lichen Zerfallen der bereits zusammenhängenden Masse gehend, leitetMichaelis von einer nachträglichen Volumvergrösserung ab, die erauf dreierlei Ursachen zurückführt; erstens und vor Allem auf zu hohenKalkgehalt der Mischung; dann auf Vorhandensein von schwefelsaurcmKalk; endlich auf ungleiches und damit zu grobes Korn im Cement. DasKalkhydrat sprenge bei seinem Ueberhandnehmen über ein gewissesMaass den Zusammenhang durch Krystallisation im Inneren. Zu grobeCem entkörn er sollen dadurch Treiben veranlassen, dass sie erst .langenach der feingemahlenen Masse der Wirkung des Wassers unterliegen,zu einer Zeit also, wo für die damit verbundene Volumvergrösserungkein Raum mehr vorhanden. Ebenso durch verspätete Hydratbildungwirke der im Cement todtgebrannte schwefelsaure Kalk. Was dieWirkung des groben Korns anbelangt, so lehrt die Erfahrung übri-gens, dass in Wirklichkeit das Wasser nicht, oder nur in verschwin-dendem Maasse darauf einwirkt.

Aus Dolomit hergestellte Portlandcemente scheinen besonders em-pfindlich in Bezug auf dasTreiben zu sein. Er dm enger 2 ) erhieltbei zahlreichen damit angestellten Proben immer treibende Cemente, so-bald der Kalkzusatz wesentlich von dem 1,9-bis 2,lfachen des als Säurewirksamen Bestandes (Kieselerde, Thonerde, Eisenoxyd) abwich. Inso-fern jedoch dabei die übrigen Bedingungen, Temperatur beim Brennen,

*) Vergl. S. 577. 2 ) Erdmenger, Dingl. pol. J. CCIX, 286.