Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
572
Einzelbild herunterladen
 

572

Gruppe 111. Chemische Industrie.

fragt sich nur, wie weit man ohne Nachtheil der Güte des Mörtelsgehen jtann. v. Wartha 1 ) hat in dieser Beziehung gefunden, dass eng-lischer Portlandcement bis zu 10 p. C. gebrannten Kalk verträgt. Obder Kalk gelöscht oder ungelöscht zugesetzt wurde, ist nicht angegeben.Manger warnt jedoch in seinem unten erwähnten Buche ausdrücklichvor dem ungelöschten Kalk und schreibt Kalkmilch als die richtigeForm vor. '

Als ein grosser Fortschritt in der Fabrikation von Portlandcementist die Einführung der Bingöfen zu bezeichnen, insofern bei demBrennen der erforderlichen andauernd hohen Temperatur gegenüberBrennstoffersparniss von besonderer Wichtigkeit ist. Es ist namentlichdas Ofensystem von Hof fmann - Licht bis zu 16 Abtheilungen, welchesin der letzten Zeit viel Verbreitung mit bestem Erfolge gewonnen hat.Selbstverständlich ist es nur für Betriebe im grossen Maassstabe mitstetigem Absätze geeignet. \

Hydraulische Kalke.

Hie hydraulischen Kalke im engeren Sinne, mit dem Bomancement alsPrototyp an der Spitze, spielen in Deutschland durch das reichliche und viel-fältige Vorkommen brauchbaren Materials noch immer eine hervorragendeBolle, obwohl einigermaassen bedrängt durch steigenden Mitbewerb desPortlandcements. Viele Muschelkalke gehören hierher; ferner die bitu-minösen Schiefer- und Stückkalke des Jura und Keuper, auf die H. Früh-ling 2 ) namentlich in Bezug auf den billigen Brand durch den starkenGehalt an organischer Substanz aufmerksam macht, endlich die Mergelam Fusse der Alpen und in Ungarn. Die Kenntniss der letzterenund zwar der Umgegend von Läbatlan (Komorner Comitat- in Ungarn)hat v.Wartha 3 ) durch Untersuchung ihres chemischen Bestandes und

ihres Verhaltens erweitert. Er fand darin:

roh gebrannt

Kohlensäuren Kalk .... 51'04 Kieselerde.3076

Kohlensäure Magnesia . 3 - 61 Thonerde.759

Kohlensaures Eisenoxydul . l - 94 Eisenoxyd.5'50

Kohlensaures Manganoxydul 052 Manganoxyd.2'39

Gebundenes Wasser. . . . 1'52 Kalk.39'06

In Säure löslich 58'63 Magnesia.240

unlöslich 41'37 Kali und Natron. .... P88

lOOOO In Säure löslich 89 - 58

unlöslich 10'30

_ 99-88

x ) v. Wartha, Dingl. pol. J. CCII, 527. 2 ) H. Frühling, Notizbl.

des deutschen Vereins für Ziegelfabrikation etc. 1870, 180. 3 ) v. Wartha,

Dingl. pol. J. CCII, 527.