lieber die Condensation der sauren Dämpfe der Sodafabriken. 503
Nach den vorliegenden Erfahrungen scheint es vortheilhaft, diein den entwickelten Gasen enthaltene Salzäure in den eigentlichenSäurethürmen und Cisternen nicht vollständig zu eondensiren, sonderndie aus denselben austretenden Gase schliesslich durch einen besonderenWaschthurm (Fl.ushing tower) streichen zu lassen, um ihnen die letztenSpuren von Säure zu entziehen. Die aus diesem Thurme abfliesseudeFlüssigkeit ist eine ausserordentlich verdünnte Lösung von Salzsäure,welche man entweder fortlaufen lässt oder als Condensationswasser fürdie ersten Cokethürme und Cisternen benutzt.
Bei Anwendung geschlossener Zersetzungsöfen muss das obereGewölbe mit besonderer Vorsicht eonstruirt werden, um es dicht zuhalten; letzteren Zweck erreicht man, indem man die Aussenseite desGewölbes mit einem Gemisch aus Thon und Kochsalz bedeckt, welchesdurch die Hitze der Feuerung zum Schmelzen gebracht wird. Trotzdieser Vorsichtsmaassregel kommen Brüche und Risse nicht selten vor,und häufige Reparaturen sind daher in diesem Falle nicht zu umgehen.
Da aber kleine Risse meist unbemerkt bleiben, so sind die diegeschlossenen Oefen umspülenden Verbrennungsgase zuweilen ebenfallsmit Säuredämpfen beladen, welche mit ersteren in die Luft entweichen.Diese Uebelstände, welche bei den Flammöfen nicht eintreten können,lassen sich vermeiden, indem man die Feuergase der geschlossenenOefen gleichfalls in einem Thurme wäscht; man muss dabei 4 nur Sorgetragen, dass ein solcher Thurm nicht zu stark mit Ziegelstücken etc.versetzt wird und noch genügenden Zug behält. Das Aggregat derlichten Zwischenräume zwischen den Ziegelstücken (the palkiny) musszum Wenigsten dem Querschnitte des Rohrs gleich sein, welches dieGase_in den Thurm führt. Ein Thurm von 20 Fuss Höhe bei 8 Qua-dratfuss Grundfläche genügte in einem mir bekannten Falle vollständigfür nicht weniger als drei Oefen.
Bei Anwendung eines Flammofens kommt die Feuerung direct mitdem Salzkuchen in Berührung und bewirkt durch schnelleres Erhitzeneine beschleunigte Zersetzung; zugleich aber muss das Gesammtvolumder Feuergase gemeinschaftlich mit den erzeugten Säuredämpfen dieCondensationsthürme passiren. In diesem Falle ist es nöthig, das sehrheisse Gasgemenge bedeutend abzukühlen, ehe man zur Condensationder Säure schreiten kann. Man verlängert aus diesem Grunde in einemsolchen Falle den Abzugscanal für die Gase bedeutend und eonstruirtden dem Ofen zuuächst gelegenen Tlieil desselben aus Mauerwerk oderGusseisen. Letzteres wird von den beisseu mit Salzsäuredämpfen bela-denen Gasen nicht besonders angegriffen und es ist mir ein Fall be-kannt, in welchem man eiserne Röhren auf eine Länge von 80 Fussmit Erfolg angewendet hat. Racksteine gebraucht man, wenn Canäleangewendet werden, welche mehrere,Male auf- und absteigen und denenman alsdann, je nach Bedürfniss, eine verschiedene Länge giebt. Nach-