Ueber die Condensation der sauren Dämpfe der Sodafabriken. 499
Gase auf unterirdischem Wege abzuleiten, ein Versuch, welchen schonfrüher Vivian zur Ableitung der schwefligen Säure in den Kupfer-werken von Swansey erfolglos ausgeführt hatte. Allein auch für dieAbführung der Salzsäure ist dieses Verfahren nicht geeignet. Es istnicht leicht, einen horizontalen Gasstrom auf seine ganze Länge feuchtzu erhalten. Das Wasser fällt schnell durch das Gas hindurch undhat daher nicht Zeit, die gewünschte Wirkung auszuüben.
Die Herren Hill in Liverpool und Lutwyche construirten flacheunterirdische Bassins von grosser Ausdehnung, um die Säure durchOberflächen Wirkung zu absorbiren; die Berührung ist aber eine unge-nügende , wenn die Ausdehnung der Oberfläche keine ausserordentlichgrosse ist und dann kommt natürlich der hohe Preis des Bodens mitins Spiel. Ausser der Fabrik von Hill, in welcher diese Methode nochtheilweise angewandt wird, giebt es in England nur noch eine einzigeandere Fabrik, welche sich dieses Verfahrens bedient.
Im Jahre 1836 erbaute Gossage zur Absorption der SalzsäureThürme, welche den gewünschten Zweck besser als alle anderen Vor-richtungen erfüllten und daher auch nach Verlauf von etwa 10 Jahrenbereits in allgemeine Aufnahme gekommen waren. Gegenwärtig würdeohne diese Thürme die Fabrikation der Soda im grossen Maassstabeeinfach unerträglich sein Q.
Die Gossage’schen Absorptionsthürme werden gewöhnlich ausnatürlichem Stein, bisweilen auch aus Ziegelstein aufgeführt. Mangiebt im Allgemeinen einem guten Sandstein, wie derselbe in York-shire und dem Forrest of Dean vorkommt, den Vorzug. Die Grösseder Sandsteinplatten beträgt in der Regel 5 Fuss im Quadrat, bei 6 ZollDicke. Die Platten werden hochkantig aufgestellt und an den Berüh-rungsflächen mit einer Mischung aus Thon und Theer oder Schwefelund Theer verkittet. Das Ganze wird durch eiserne Reifen zusammen-gohalten. Die Höhe des Condensationsraumes schwankt zwischen weitaus 17 einander liegenden Grenzen, 20 und 80 Fuss. Die wirkliche Höheder Thürme ist indessen eine beträchtlichere, insofern zu der ebenge-nannten die Stäi'ke des Fundaments und die Höhe der oben aufge-stellten Cisterne hinzukommt. Das Fundament muss sehr solide ge-legt sein und das Gewicht des Oberbaues tragen, ohne dass die geringsteSenkung stattfindet. Das Innere der Thürme wird mit Coke oderZiegelstücken angefüllt, über welche man aus der oben aufgestelltenCisterne Wasser fliessen lässt. Die Zersetzung des Rohsalzes geschiehtin einer starkwandigen eisernen Pfanne, welche von unten gebeizt wird.Dieselbe ist mit einem Gewölbe überdeckt, und in diesem befindet sichdas Ableitungsrohr, welches die bei der Einwirkung der Schwefeläureentwickelte gasförmige Salzsäure in den unteren Theil des Condensations-thurmes leitet.
*) Vergl. auch den Aufsatz über Chlor S. 107 dieses Berichts.
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