Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
413
Einzelbild herunterladen
 

Fortschritte in d. Ausnutzung d. Mutterlaugen in d. Salzgärten. 41S

dem. Einfluss der ersten Kälte ein Theil des Magnesiumsulfats aus-krystallisirt ist. Bekanntlich wurde bei einer der Methoden, welcheHr. Balard erdacht hat, das Magnesiumsulfat in ähnlicher Weise ent-fernt, indem man die Mutterlauge während des Winters auf flachenBöden ausbreitete. Reines schwefelsaures Magnesium wurde auf dieseWeise in grosser Menge erhalten, aber gleichzeitig verlor man eineerhebliche Menge Mutterlauge durch Einsickeru, während kostspieligeHandarbeit erforderlieh war. Diese Mängel werden bei der neuenMethode vermieden, da sie einer so vollständigen Entfernung desschwefelsauren Magnesiums nicht bedarf, wie die ältere. Man lässtdie Ausscheidung des schwefelsauren Magnesiums also während desWinters in den Reservoirs selbst vor sich gehen und engt die Mutter-lauge, wenn sie hinreichend davon befreit ist, durch Verdampfung inKesseln ein, bis die kochende Flüssigkeit 36°B. anzeigt. Bei dieserConcentration tritt eine Unbequemlichkeit auf, insofern alles, was nochan schwefelsaurcm Magnesium vorhanden ist, als wasserfreies Salz gleich-zeitig mit einer gewissen Menge Chlornatrium niederfällt. Diese Nieder-schläge stören die rasche Verdampfung und sind überdies eine Quellevon Verlusten, weil sie beim Ablassen mit Mutterlauge getränkt blei-ben. Man begegnet diesem Uebelstande durch einen sehr klug erdachtenmechanischen Proeess. Die Flüssigkeit wird in einem Ofen, dem soge-nannten Porionschen Ofen, dessen Construction die grösstmöglicheAusnutzung des Brennmaterials anstrebt, concentrirt und dann in dieAbdampfkessel gebracht, in welchen der Absatz stattfinden soll. DieseAbdampfkessel sind grosse flache Eisenblechgefässe, welche oben recht-winklig sind, deren Seitenwände sich jedoch nach unten gegeneinanderneigen, so dass der Boden zusammengezogen wird und eine parabolischeForm annimmt. Dort setzt sich der Niederschlag während des Ab-dampfens ab nnd von dort wird er mechanisch entfernt. Eine Schraube,die bis auf den Boden dieser parabolischen Rinne hinabgeht, führt ihndurch ihre Drehung bis an den Rand des Abdampfkessels, wo er voneiner Schaufel in Empfang genommen und hinausgeworfen wird. DasVerdampfen wird nicht durch directes Feuer, sondern durch überhitztenWasserdampf bewerkstelligt. Der letztere wird durch eine Anzahl vonSchlangenröhren zugeführt, welche in der Flüssigkeit hängen und die-selbe bis zum lebhaften Aufsieden erhitzen. Diese Schlangenröhren be-decken sich während des Verdampfens mit Schlamm; um sie davon zureinigen, werden sie von Zeit zu Zeit herausgenommen und in kaltesWasser getaucht. Der Schlamm geht nicht verloren. Er ist ein Ge-menge von wasserfreiem schwefelsauren Magnesium und Chlornatrium,also einer Art gemischten Salzes (sei mixte), welches wiederum indie Fabrikation eintritt, nachdem man es aufgelöst und mit mehr Koch-salz versetzt hat, um ihm so die Zusammensetzung des Gemenges zugeben, aus welchem durch Kälte das schwefelsaure Natrium gefällt wird.