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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Kalidüngmittel. 387

nen Bodenqualität erst durcli genaue Versuche und Beobachtungen an-gepasst werden müssen, und dass sogenannte Uüiversaldiinger für denrichtig rechnenden Landwirth ebenso ins Bereich der Chimäre gehörenals die leider auch noch häufig angepriesenen Specialdünger. Einmalbei der Zurückweisung von Irrthümern mag hier auch gleich des beiEinführung der Kalidüngung mit grossem Eifer geführten Streites überdie angeblichen Vorzüge der schwefelsauren Verbindungen des Kaliumsvor dessen Chlorverbindungen Erwähnung geschehen, weil Erfahrungund genaue vergleichende Untersuchungen den Beweis geliefert haben,dass die befürchteten schädlichen Einflüsse der Chlorverbindungenüberhaupt nicht existiren J ), überdies beide, Chlorkalium wie schwefel-saures Kalium, vom Boden gleichmässig absorbirt und zerlegt werden,und für den Landwirth nur die Frage Bedeutung hat, in welcher Former eine gewisse Menge Kali am billigsten auf seinen Acker bringt.

In den letzten Jahren hat man sich gerade des reinen Chlorka-liums für die directe Düngung der Zuckerrüben im Gemisch mit Cliili-salpeter und Superphosphat mit bestem Erfolge bedient, während manin den Fällen, in denen die Kalidüngung auch für die als Vorfruchtder Rübe dienenden Getreidearten wirken soll, die geringprocentige-ren Kalidünger, welche viel Kochsalz und schwefelsaures Magnesiumenthalten, vorzieht.

Als Resultat der im letzten Decennium beim Rübenbau gesammel-ten Erfahrungen kann aber jedenfalls constatirt werden, dass jetzttrotz intensivsten Betriebe^ der Zuckerrübenbau und somit auch dieRübenzuckerindustriegegen die vor Jahren 'als Folge der Verarmung derFelder an Alkalien befürchtete Katastrophe geschützt und für dieweitere Ausdehnung gerüstet sind, welche ihnen bei der nach Aufhebungder Sklavenarbeit auf Cuba sicher eintretenden Verringerung derZuckerrohrproduction bevorsteht. Denn je mehr der ferne Ostenwie der Westen, Russland und Californien, Europa mit Brotkorn ver-sorgen und dadurch den europäischen Gedreidebau zu einem wenigerlohnenden machen, desto mehr wird unsere Landwirthschaft- gezwungensein, durch intensivste Bewirthschaftung ihrer besseren Böden, wiedurch Anbau von Hackfrüchten und Handelsgewächsen, welche eineVerbindung der Bodencultur mit der Industrie ermöglichen, der ihrvon aussen drohenden Coneurrenz zu begegnen.

Von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit hierfür ist es aber auch,dass die dann erforderliche Arbeitskraft dem Lande erhalten bleibe,und dass dem Strome der deutschen Auswanderung, welcher sich bishernoch stets der neuen Welt zuwandte, auch im Vaterlande erstrebens-

Vergl. No Obe und Siegert: Ueber Wachstlium der Pflanzen in wässeri-gen Lösungen. Landw. Versuchsstationen V, 116. VI, 19 u. 108. EbensoFrank: Versuchsstationen VIII, 45.

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