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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Vorkommen und Verarbeitung der Kalisalze in Kalusz. 379

Lager von Sylvin, denen bald auch die Auffindung bedeutender, dieStassfurter resp. Leopoldsballer an Mächtigkeit weit übertreffenderIfainitablagerungen folgten. Dagegen fehlte in Kalusz das Vorkommenvon Carnallit und Kieserit nahezu vollständig und scheint dies wie dasganze Vorkommen des Sylvins als linsenartige Einlagerung im Hasel-gebirge mit Thon vermischtem Steinsalz mit Sicherheit daraufzu deuten, dass die Vorkommen von Kainit und Sylvin secundäreBildungen aus einem früheren, dem Stassfurter gleichen Mutterlaugen-salzlager sind, welche aber durch spätere Hebungen und Zuflüsse vonsüssem Wasser, wenigstens in ihren oberen Lagen, nochmals umgesetztwurden ein Process, der auch in dem Stassfurter Salzlager an einzelnenStejlen direct nachweisbar ist x ). Da sich in den später aufgeschlossenenbeziehungsweise noch im Aufschluss begriffenen, tieferen Lagen derKaluszer Werke sehr schöne reichhaltige Adern von Carnallit finden,so ist nach dem Urtheil der Geologen bei weiterem Vordringen in dietieferen Schichten die Auffindung eines dem Stassfurter Vorkommenentsprechenden Carnallitlagers mit grosser Wahrscheinlichkeit auchdort zu erwarten, um so mehr, als das Einfallen, welches in den oberenTeufen bis zu 60° beträgt, sich nach unten regelmässig verflacht undin den bisher aufgeschlossenen tiefsten Horizonten sich schön auf 30°vermindert, obwohl dieselben die Tiefe der Stassfurter Abbausohlennoch lange nicht erreichen, da der Bergbau im preussischen Salzwerkin einer Teufe von 333 m bei einem durchschnittlichen Einfallen derSchichten von 30°, im Leopoldshaller von 219 m bei einem Fallwinkelvon 44° umgeht, während der tiefste bisher erzielte Aufschluss inKalusz nur circa 115 m unter der Hängebank des Schachtes liegt.Die Thatsache, dass auch im Stassfurter Becken Kainit und Sylvin fastnur in dem höher gelegenen Leopoldshaller Werke Vorkommen, bildeteine weitere Stütze dieser Hypothese.

Vorkommen und Verarbeitung der Sylvinsalze. Wieschon angeführt, findet sich der Sylvin in einzelnen linsenförmigen La-gern, die aber untereinander durch schwächere Bänder verbunden sindund ein regelmässiges Streichen zeigen, im Haselgebirge (Salzthon)eingeschlossen; die Mächtigkeit dieser Sylvinablagerungen beträgt imMaximum 33 m, im Minimum 4 m und kann im Durchschnitt mit 8 mangenommen werden. Im mittleren Theile der Linsen finden sichstarke, zuweilen 0'6 bis 09 m dicke Lagen von fast chemisch 'reinemChlorkalium, welches, wenn allein gefördert, ohne alle weitere Umarbei-tung für die meisten chemischen Zwecke brauchbar sein würde, nachdem Hangenden und Liegenden zu verarmen die Lagen indess durchVermischung mit Salzthon immer mehr, um schliesslich ganz in diesen

x ) Frank, Ber. Chem. Ges. 1868 I., 124.