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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Stassfurter Kaliindustrie.

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Mengen rein vor, ist vielmehr stets mit Carnallit, Kochsalz und anderenSalzen derartig durchwachsen und zusammengelagert, dass sein durch-schnittlicher Gehalt an schwefelsaurem Kalium 22 bis 23 p. C. kaumübersteigt; ist aber schon bei dem seltenst vorkommenden reinen Kainitdie Zersetzung in feuchter Luft eine sehr langsame und nur an derOberfläche vorkommende, so liegt es auf der Hand, dass der rohe Kainitauf solche quasi spontane Weise noch weniger zerlegt werden kann, daals Product ein Gemisch von schwefelsaurem Kaliummagnesium mit denanderen Bestandtheilen des Rohkainits verbleiben würde. Obgleichman daher nach der Auffindung des Kainits im Jahre 1864 wohl er-s kannte, dass hierin ein Material für Darstellung von reinem schwefel-j saurem Kaliummagnesium gegeben sei, musste man für dessen Gewin-j nung doch sofort complicirte Lösungs- und Krystallisationsprocesse an-] wenden. Die absolute Unzuverlässigkeit und Ungleichheit des Materials, noch mehr die in den letzten Jahren erfolgte bedeutende Preiserhöhung] des auch für Darstellung von Düngerpräparaten und Düngermischun-1 gen benutzten Kainits haben indess seine ausgedehnte und lohnende' Verarbeitung zu reinem schwefelsaurere Kaliummagnesium (Picromerit)ganz unmöglich gemacht und stellt man dasselbe deshalb auch durch Zer-setzung von Kieserit mit dem aus dem Carnallit gewonnenen Chlorkalium dar (2KCl -f 2MgS0 4 + 5H 2 0 = K 2 S0 4 , MgS0 4 + 5H 2 0 + MgCl 2 ).

- Da sich nun die Angaben französischer Chemiker, nach welchen sich

! aus dem schwefelsauren Kaliummagnesium durch Zuschlag von Kalkj und Kohle direct im Leblancschen Process kohlensaures Kalium mit) Vortheil gewinnen lassen sollte, bei angestellten Versuchen als unrichtig; ergaben, die anderen Verwendungsarten des schwefelsauren Kaliums fürj Glas, chromsaures Kalium etc. aber ein möglichst magnesiumfreiesMaterial erfordern, so ging man einen Schritt weiter, indem man ausj dem Kaliummagnesiumdoppelsalz reines schwefelsaures Kalium darstellte,j Als Grundlage hierfür diente:

1 a. Die Zerlegung des Doppelsalzes durch einfaches Umkrystalli-

I siren, wobei sich das schwer lösliche schwefelsaure Kalium etwa zurHälfte ausscheidet, während ein neues Doppelsalz von der ungefährenj Zusammensetzung K 2 S0 4 , 2MgS0 4 in der Lösung bleibt.

1 b. Die Zerlegung des Doppelsalzes durch Hinzufügung von

4 Mol. resp. von G Mol. möglichst reinen Chlorkaliums, wobei sich

j aus K 2 S0 4 , 2MgS0 4 4 KCl = 3K 2 S0 4 -f- 2MgCl 2 oder vielmehr' aus K 2 S 0 4 , 2MgS0 4 -f6KCl = 3K 2 S0 4 -t-2MgCl 2 + 2KC1 bilden.

Das schwefelsaure Kalium scheidet sich auch hierbei als feinkörnigeMasse ab, während der gleichzeitig gebildete Carnallit in Lösung bleibt,aus welcher durch Verdampfung und Krystallisation das Chlorkalitimwieder gewonnen werden muss. Das für die Doppelzersetzung anzu-wendende Chlorkalium muss möglichst rein, namentlich frei von Natrium-salzen sein, da diese sonst ebenfalls, mit in den Process eintretend, das