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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Bor und seine Verbindungen.

gesunken ist, von eventuell ausgeschiedenen Boraxkrystallen und lasstzunächst das bei weiterem Erkalten krystallisirende Glaubersalz sichausscheiden. Man kann die Flüssigkeit alsdann entweder bei weiterenOperationen wieder an Stelle des Wassers benutzen oder durch Abdampfendaraus neue Mengen von Borax gewinnen. Sollten Glaubersalz undBorax einmal zusammen krystallisiren, so erwärmt man das feuchteGemisch beider auf 33 bis 35.°, wodurch das Glaubersalz, welches beidieser Temperatur in grösster Menge vom Wasser aufgenommen wird,sich in der geringen Menge in dem Gemisch mechanisch eingeschlossenenWassers auflöst und vom zurückbleibenden Borax abgegossen werdenkann. Beim nachherigen Raffiniren bleibt der Rest des Glaubersalzesin der Mutterlauge zurück.

Das Raffiniren selbst besteht in einem einfachen Umkrystallisirenaus möglichst wenig heissem Wasser, welchem man 5 p. C. Soda hinzu'gesetzt hat; nur muss man dabei, will man grosse und schöne Krystalleerzielen, für möglichste Ruhe und langsame Abkühlung Sorge tragen. ,

Das Auffinden so bedeutender Boronatrocalcitlager wie derjenigenin Hotsprings in Nevada, in Chile etc. berechtigt zu der Erwartung,dass der toscanischen Borsäureindustrie in Bälde eine in der Thatheilsame Concurrenz gemacht werde. Den Grund, dass dies nicht schonfrüher geschehen ist, hat man in dem sehr wechselnden Gehalt derBoronatrocalcite an Borsäure und in dem Umstande zu suchen, dassder grösste Theil der geförderten Boronatrocalcite zur weiteren Verar-beitung nach Europa geschafft werden musste. Wie aus dem Berichte0. Loews hervorgeht, fängt man jedoch an, den Borax mit Vortheilan Ort und Stelle zu produeiren, und wenn die dortigen Fabrikeinrich-tungen auch noch änsserst primitiv und im hohen Grade der Verbes-serung fähig sind, so darf man doch die Hoffnung hegen, dass die In-dustrie sich bald in wirksamerer Weise der erwähnten Vorkommenbemächtigen und durch rationellere Hebung des von der Natur dargebo-tenen grossen Schatzes die Borsäure und Borsäurepräparate zu geringeren,noch allgemeinere Anwendungen derselben gestattenden Preisen liefernwird. Die Natur dieser Körper befähigt sie hierzu im hohen Grade.

Bisher hat fast nur der Borax technische Verwerthung gefunden.Paupier 1 ) hat sich in der letzten Zeit ein Verfahren zur bequemenDarstellung der Borate auch anderer Metalle patentiren lassen. Erversetzt zu diesem Zwecke die Chloride oder Nitrate der betreffen-den Metalle mit Borax oder Boronatrocalcit und erwähnt dabei,dass die so gewonnenen Chrom-, Eisen- und Kupferborate mit Vortheilin der Malerei verwandt werden können. Calciumborat und Aluminium-chlorid geben, wenn man beide Substanzen bei 80 bis 100° aufeinander

*) Paupier, Ber. ehern. Ges. 1873, 1138; Bull. Soc. chim. 1873, XIX,Nro. 7, 334.

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