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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Zeit lang verarbeitet worden ist. Beide kommen in zu geringer Mengevor, um eine technische Gewinnung von Borsäure lohnend zu machen,ihr Auftreten in den Steinsalzlageru ist jedoch, wie später gezeigtwerden soll, für die Theorie der Boratbildung von Interesse.

Weitere Verarbeitung der Borsäuremineralien. Der ge-wonnene rohe Borax (Tiueal) ist nicht ohne Weiteres zu verwenden,sondern muss vorher durch Umkrystallisiren gereinigt werden. Dervon China und Indien in Europa eingeführte bildet gewöhnlich kleineKrystalle von grünlich-blauer Farbe, welche mit einer fettigen, seife-artigen Materie überzogen sind. Die Entfernung der letzteren wirddadurch bewirkt, dass man die Krystalle vor dem Auflösen mit Kalk-milch behandelt, wodurch die Fettsubstanz unlöslich wird, oder dass mansie zunächst mit Natronlauge wäscht, so lange letztere gefärbt abläuft.Die Seife wird dadurch in Lösung gebracht und ist dann durch Abspülenmit Wasser leicht vollends zu entfernen.

Die aus dem Tincal dargestellten reinen Boraxkrystalle zeichnetensich vor den auf anderem Wege gewonnenen lange Zeit dadurch aus,dass sie beim Erhitzen ruhig schmolzen und namentlich bei der Berüh-rung mit heissem Metall nicht umherspritzten. Diese Eigenschaft ver-danken sie nach Stohmanns 1 ) Ansicht Spuren von Fettsubstanz,welche Borax selbst nach mehrmaligem Umkrystallisiren mit grosserHartnäckigkeit zurückhält. Die angedeuteten Uebelstände hat manheute jedoch auch bei dem künstlichen Borax durch sehr vorsichtigeKrystallisation, zuweilen auch durch einen Zusatz von Tincallösuug voll-ständig beseitigt.

Das einzige ausser dem Tincal bis jetzt technisch ausgebeutete Bor-säuremineral ist der Boronatrocalcit, wenn man diesen Namen in derS. 335 erläuterten Weise gebraucht.

Der Boronatrocalcit wird ebenfalls ausschliesslich zur Darstellungvon Borax verwendet.

Wenn man es mit einem verhältnissmässig reinen Mineral zu thunhat, so genügt es, dasselbe fein zu mahlen, in Wasser zu vertheilen unddarauf so viel Soda hinzuzufügen, als zur Zersetzung des vorhandenenCalciumborats erforderlich ist. Man erhitzt alsdann einige Zeit auf100°, lässt absetzen und zieht die erhaltene Boraxlösung zur Krystalli-sation ab. Das zurückbleibende Calciumcarbonat wird ausgewaschenund die abfallende schwache Lauge in späteren Operationen verwendet.

Leider enthält aber der Boronatrocalcit meist grössere Mengenvon Gyps, welcher eine entsprechende Menge werthvoller Soda in ver-hältnissmässig werthloses Glaubersalz verwandelt; häufig sind auchgrössere Mengen des letzteren Salzes fertig gebildet in dem anzuwen-

Muspratts Chemie, bearbeitet von Bruno Kerl und F. Stolimann3. Auf!., Bd. I, Lieferung 24, 1502.