Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
327
Einzelbild herunterladen
 

327

Bor und seine Verbindungen.

doch von dem zugleich gebildeten dichteren unlöslichen Calciumboratmit niedergerissen, ein Umstand, welcher die völlige Klärung derLösung in kurzer Zeit herbeiführt.

Natürliches Vorkommen von Borax und anderen bor-saurenSalzen. Das borsaure Natrium kommt in der Form des zehnfachgewässerten Salzes in der Natur vor und führt als Mineral den NamenTincal. Es findet sich in Südamerika, vorzugsweise aber in Asien inThihet, auf Ceylon, in Persien und in grosser Menge auch in Nord-amerika in Californien und bleibt beim Austrocknen von Seen, in derenWasser es enthalten ist, zurück. Die Fundorte in Thibet und Ceylonsind seit langer Zeit bekannt; der vor der Entwickelung der toscanischenBorsäureindustrie in den Handel kommende Borax entstammte aus-schliesslich diesen Quellen.

Ueber die Entdeckung des californischen Vorkommens giebtDaubree 1 ) interessante Notizen:

Die Herren Veatch und Trask beobachteten im Jahre 1854,dass das Wasser gewisser Thermen Californiens beim Verdampfen Kry-stalle hinterliess, welche ihren äusseren Eigenschaften nach die grössteAehnlichkeit mit Borax hatten und welche sich bei der später damitangestellten chemischen Analyse in der That als aus borsaurem Natriumbestehend erwiesen. Nachdem so der erste Anstoss gegeben war, fand manin der Nachbarschaft zahlreiche boraxhaltige warme Quellen auf; ein Jägerendlich entdeckte am Ufer des Clear Lake, in einer weissen staubigenErde eingebettet, schöne Krystalle, welche ein Engländer, der früher ineiner Boraxfabrik beschäftigt gewesen war, sofort als Borax erkannte.Das Wasser des Clear Lake erwies sich stark boraxhaltig und alsbaldwurde eine californische Compagnie zur Ausbeutung dieses Borax-vorkommens gebildet.

Der Clear Lake 2 ), welcher später auch Borax Lake genannt wurde,liegt auf einer kleinen Halbinsel Californiens, nördlich von San FranciscoimNapathal. Er ist der mit Wasser angefüllte Krater eines erloschenenVulcans, im Mittel 4000 Fuss lang und 1800 Fuss breit, und trocknetzu Zeiten fast vollständig aus 3 ). 13 Gallonen Wasser liefern etwa 1 Pfd.

krystallisirten Boraxes. Der Boden des Sees besteht aus einem bläulichenSchlamm, in welchem Boraxkrystalle eingebettet sind. Dieser Schlammenthält nach Daubree bis auf 3 m von der Oberfläche in 100 Theilen15 Theile Borax, 28 Theile Natriumcarbonat und 8'25 Theile Kochsalz.Aus einer Tiefe von 20 m heraufgeholter Schlamm ergab bei der Analysenoch 35 p. C. Borax.

b Daubree, Rapports du Jury international de lexposition universellede 1867 ä Paris, V, 226. 2 ) Deutsche Industrieztg. 1867, 98. 3 ) Arch.

Campbell, Chem. News 1870, Nro. 535, 90; Dingl. pol. J. CXCVI, 584.