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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Siliciumverbmdungen.

eine Folge der physikalischen Beschaffenheit ihrer Flächen, so muss an-geätztes Glas dieselben oder ähnliche Resultate gehen wie die Kiesel-säure selbst. Und das ist in der That der Fall. Mit Flusssäure mattgeätztes Glas nimmt die Anilinfarben ebenso auf, wie die Kieselsäure,ja die angeätzten Stellen können sogar durch Beizen mit adjectivenFarben gefärbt werden. Die Färbung erscheint wegen der geringenAusdehnung der geätzten Schicht heller, sie ist aber ebenso beständig,als die bei der Kieselsäure beobachtete.

Wenn auch die technologische Wichtigkeit der Kieselsäure undder Silicate von keiner anderen Siliciumverbindung erreicht wird, somüssen wir doch einer Verbindung dieses Elements, der Kieselfluor-wasserstoffsäure, und ihrer Derivate mit einigen Worten Erwäh-nung thun, da sie in neuerer Zeit nicht ohne Bedeutung für die chemischeTechnik geblieben sind.

Das Fluorsiliciumgas wurde schon von Scheele beobachtet; auchPriestley erhielt es, verwechselte es aber mit Flusssäure (fluor add dir );erst Gay-Lussac und Thenard ermittelten seine Natur und Zusam-mensetzung. Es entsteht immer, wenn Fluorwasserstoffsäure mit Kie-selsäureanhydrid oder Silicaten zusammentrifft. Man könnte nun meinen,das Fluorsilicium, SiFj, zersetze sich nach Analogie des Chlorsiliciums,Si Cb, mit Wasser wiederum in Fluorwasserstoffsäure und Kieselsäure.In der That wird Kieselsäuregallerte abgeschieden, sobald Fluorsiliciumund Wasser zusammen kommen, allein es entsteht nicht Flusssäure,sondern Kieselfiuorwasserstoflfsäure nach der Gleichung:

3 Si F 4 + 4 H 2 0 Si(0 H) 4 -(- 2 H 2 Si F 6 .

In den Laboratorien stellt man sich die Kieselflusssäure stets durchEinleiten von Fluorsiliciumgas in Wasser dar. Die Darstellung desFluorsiliciums aus Kieselerde, oder einem Silicat und Flussspath durchIntervention von Schwefelsäure zeigt sich aber im Grossen, auch wennman statt des natürlichen Flussspaths das bei der Kryolithverarbeitungabfallende Fluorcalcium oder Kryolith selbst anwendet, nicht gut aus-führbar. Die Eigenschaften der Kieselfluorwasserstoffsäure, besondersdie merkwürdige Thatsache, dass sie gerade mit den Metallen, welchemit fast allen anderen Säuren leicht lösliche Salze bilden, nämlich mitden Alkalimetallen, schwer lösliche Verbindungen liefert, machen ihretechnische Darstellung in hohem Grade wünschenswertb. Es ist be-sonders das Kieselfluorkalium, welches sich durch seine Unlöslichkeitauszeichnet, so dass die Kieselfluorwasserstoffsäure ein Mittel an dieHand giebt, Kalium von Natrium und Magnesium zu trennen. Auchdas Kieselfluorbarium ist schwer löslich, während das Kieselfluorstron-tium sehr löslich ist.

Nun hatten Gay-Lussac und Thenard bei ihren Untersuchun-gen über die Zusammensetzung des Flussspaths diesen mit geschmol-