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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Farbstoffe denselben den Farbstoff zu entziehen und mit adjeetivenFarben nach vorhergegangener Beizung sich ebenso zu färben, wie esdie textile Faser thut; die Färbungen sind mindestens ebenso be-ständig, wie die der vegetabilischen Faser (der Baumwolle). Besondersleicht vereinigen sich die Anilinfarbstoffe mit der Kieselsäure. Gutausgewaschenes Kieselsäurepulver färbt sich in Lösungen von Anilin-farben bald intensiv und behält die Färbung auch beim Waschen mitWasser. Erst kochendes Wasser oder starker Weingeist vermag dieFarbe zu entfernen. Es lassen sich so durch Färben von amorpherKieselsäure mit Anilinfarben sehr schön gefärbte Pulver darstellen,welche sich wohl zu Anstrich- und Tapetendruckfarben eignen.

Wichtiger noch als diese Anwendung ist die Benutzung der Kie-selsäure in der Färberei. Auf Faserstoffen, besonders auf Baumwolle,welche die substantiven Farbstoffe nicht direct ohne Vorbereitungaufnehmen, lassen sich diese und zirmal die Anilinfarben mit Hilfe derKieselsäure leicht fixiren. Ein blosses Durchziehen durch eine Auf-lösung von Wasserglas genügt, der Baumwolle farbenanziehendeEigenschaften zu geben. Noch besser treten diese hervor, wenn man dasWasserglas in der Faser zersetzt, indem man die mit der Silicatlösunggeti'änkte Baumwolle in verdünnte Säure taucht, so dass die Faser sichmit einem Niederschlag von Kieselsäure bedeckt. Wäscht man danngut aus und taucht die Baumwolle in die Farbstofflösung, so färbt siesich lebhaft und frisch und, was ausserordentlich wichtig für die tech-nische Anwendung ist, auch echter; die Farben widerstehen Alkalienund Seifenlösungen besser, als es bei Anwendung der vielfachen ande-ren Beizmittel, namentlich des bei der Baumwolle meistens benutztenMordants, des Tannins, der Fall ist.

Die Kraft der Kieselsäure, Farbstoffe anzuziehen und festzuhalten,ist auch in der Wollfärberei von grossem Nutzen. Die Wolle istentgegengesetzt ihrem Verhalten gegen die übrigen Anilinfarbstoffenicht im Stande, das Anilingrün aufzunehmen. Eine Passage durchWasserglas, Färben mit lauwarmer Anilingrünlösung und Durchziehendurch eine Säure führt hier leicht zu dem gewünschten Ziele.

Auch mifr adjeetiven Farben kann nach den Versuchen W.Reimanns die Kieselsäure gefärbt werden, da sie die verschiedenenMordants, wie essigsaure Thonerde, essigsaures Eisenoxyd, ganz in der-selben Weise aufnimmt, wie die vegetabilische Faser.

Dass es die Kieselsäure ist, welche die Farben fixirt und nichtetwa geringe fremde Beimengungen, zumal Alkali denn auch alka-lische Beizung vermag die Anilinfarben auf der Baumwolle zu fixirenhat W. Reimann dadurch bewiesen, dass er alle auf Kieselsäure er-haltenen Färbungen auch auf Glas hervorgebracht hat, welches mitFlusssäure angeätzt war. Hier ist die Möglichkeit, dass freies Alkalizugegen sei, ausgeschlossen. Ist die Farbenanziehung der Kieselsäure