302
Gruppe III. Chemische Industrie.^
wird. Durch Sieben wird er sodann in die verschiedenen Korngrössensortirt und, wenn nöthig, feiner gepulvert. Je nach dem Zwecke derkünstlichen Steine kommen auf 1 Vol. Wasserglas 18 bis 24 VolumeSand. In einer zweckmässig construirten Mühle wird in drei Minutendie Mischung zu einer vollständig gleichartigen Masse bewerkstelligt.Dieses plastische Gemisch wird nun, wie bei gewöhnlichen Backstein-waaren, in Formen gepresst. Sodann werden die aus den Formen ge-hobenen Gegenstände behutsam in eine Lösung von Chlorcalcium ge-bracht. Hier erlangen sie rasch einen Härtegrad, der ein bequemesTransportiren gestattet. Zum Zweck dieser Imprägniruug mit Chlor-calcium wird beim Formen der Gegenstände ein Loch bis in die Mittederselben aufgespart, in welches das Rohr einer Luftpumpe geschobenwerden kann. Wird dann die Luft verdünnt, so saugt der Stein die überseine Oberfläche gegossene Flüssigkeit rasch ein. Kleinere Gegenständewerden mit einer Giesskanne besprengt. Hach diesem ersten Erhärtengelangen die Steine in eine durch Dampfröhren auf 100° erhitzte Chlor-calciumlösung von 1’4 Vol-Gew., welche die Luft vollständig austreibt unddie chemische Umsetzung vollendet. Hierbei bildet sich Calciumsilicat,welches die Sandkörner verkittet, und Chlornatrium, welches durchAuswaschen mit frischem Wasser entfernt wird. Das Trocknen derGegenstände ist der letzte Process. Als vorzügliche Eigenschaftenderselben sind die Schärfe der Formen, die Gleichmässigkeit der Farbeund physikalischen Beschaffenheit, sowie die Widerstandsfähigkeitgegen Feuchtigkeit, Frost und Hitze hervorzuheben.
Ein Nachtheil des Verfahrens liegt in dem Auswaschen des Chlor-natriums aus den Steinen. Es leuchtet ein, dass dasselbe bei Herstel-lung grosser Blöcke viel Zeit erfordert; bei nachlässigem Auswaschenentstehen leicht Auswitterungen von Chlornatrium, welche das Aus-sehen des Steines, und selbst seine Festigkeit und Dauerhaftigkeit beein-trächtigen. Ransome 1 ) hat sich nun bemüht, dies Auswaschenüberflüssig zu machen und befolgt neuerdings das folgende Verfahren.Aus einem Gemisch von gewöhnlichem Sand, Portlandcement, gemahle-nem kieselsauren Kalk und etwas Kieselerde, die in Aetznatron beigewöhnlicher Temperatur löslich ist, stellt er mit Natronwasserglaseine Masse dar, die genügend lange plastisch bleibt, um leicht beliebigeFormen auszufüllen, allmählich aber hart wird und in einen Steinübergeht, welcher der Hitze und Kälte widersteht, gegen Feuch-tigkeit gänzlich undurchdringlich ist und nach den bisherigen Erfah-rungen mit der Zeit an Härte immer mehr zunimmt. Die hierbeistattfindenden chemischen Reactionen erklärt Ransome in folgenderWeise. Wird der Portlandcement,, der aus Thonerdesilicat und Kalk
x ) Bansome, Engineering 1871, 31; Dingl. pol. J. CXCIX, 409; Wagn.Jahresber. 1871, 502.