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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

bei Anwendung siliciumreichen grauen Roheisens die schlackenbildendePeriode länger,, da die Oxydation des Siliciums längere Zeit in Anspruchnimmt; der ganze Process geht ruhiger und gleichmässiger von Statten.

Nach Samson Jordan 1 ) sind folgende 'Umstände zur Er-zeugung eines besonders siliciumreichen Roheisens oderglatten Roh-eisens (glacedpig, fonte glacee ) förderlich. 1) Ein langsamer undsehr heisser Gang des.Ofens; heiss, damit die Legirung des Siliciumsmit dem Roheisen entstehen könne (dieselbe ist schwerer schmelzbarals die bloss gekohlten Roheisensorten), langsam, damit die Reductionzu Silicium in Gegenwart von Kohlenstoff und Eisen Zeit habe, sichhinreichend reichlich zu vollziehen. 2) Eine Beschickung, welche vielKieselerde und zugleich sehr viel Thonerde enthält. Die Beschickungdarf nicht zu viel Kalk enthalten, damit derselbe nicht wegen seinerVerwandtschaft zur Kieselsäure die Reduction derselben verhindere,und sie muss Thonerde in hinreichender Menge enthalten, damit diese,indem sie die Rolle einer Säure spielt undAluminate bildet, die basischeWirkung des Kalks noch mehr neutralisire.

Weitere Details über Siliciumeisen gehören in die Beschreibungder Metallurgie des Eisens.

Während, wie wir gesehen haben, das Silicium als Element undin Legirung mit Metallen nur eine untergeordnete Rolle auf dem Ge-biete der Technik spielt, kommt seiner Sauerstoffverbindung, der Kiesel-säure oder Kieselerde, ein hervorragender Platz nnter den technischwichtigen Stoffen zu. Die Verwerthung der reinen Kieselerde in Formvon Quarz, weissem Sand, Feuerstein in der Fabrikation von Glas undPoreellan sowie ihre Verwendung bei der Bereitung des als mächtigesSprengmittel bekannten Dynamits, zu welchem Zweck dieselbe meist inForm von Infusorienerde mit sogenanntem Nitroglycerin getränkt wird,braucht hier nur angedeutet zu werden.

Ebenso bekannt ist es, dass Opal, Amethyst, Carneol und andereMineralien, welche aus mehr oder weniger reiner Kieselerde bestehen,beliebte Schmucksteine sind. Für den Chemiker besonders werthvollsind die vortrefflichen Reibschalen, welche aus Chalcedon und Achatangefertigt werden. In dem Hauptsitz dieser Industrie, dem StädtchenOberstein im Fürstenthum Birkenfeld, wird seit Kurzem von demFabrikanten Herrn. Stern ein für den Chemiker nicht minder nütz-liches Geräth erzeugt, nämlich sehr sauber aus Bergkrystall gearbeiteteGewichtssätze von 50 bis 01 Gramm. Der Ursprung der Achat-schleiferei in Oberstein und Idar reicht bis in das frühe Mittelalterzurück. Als die heimischen Quellen fast erschöpft waren, erhielt dieIndustrie im Jahre 1834 einen erneuten Aufschwung durch die Zufuhr

l ) S amson Jor dan, Compt. rend. LXXVI, 1086 ; Wagn. Jahresber. 1873, 37.