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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Cyanverbhidungen.

Schwefelwasserstoff auf nassem Wege (durch in Wasser suspendirtesEisenoxydhydrat) gereinigt werden könnte. Das ammoniakalischeWasser würde dann nachher Ferrocyanammon gelöst und grosse MengenSchwefeleisen suspendirt enthalten.

Wie gegenwärtig die industriellen Verhältnisse liegen, ist alsoallerdings die Steinkohle unter den Rohmaterialien für Darstellung derCyanverbindungen aufzuführen. Es ist aber schwer nachzuweisen, dassdas auf diesem Wege dargestellte Blutlaugensalz einen bedeutendenTheil der gegenwärtigen Production ausmacht. Uebrigens wird nochdurch einen anderen Industriezweig der Stickstoff der Steinkohlen fürdie Fabrikation von Blutlaugensalz nutzbar gemacht und letzteres aufdiesem neuen, höchst originellen Wege, wenn auch in geringer Menge,fabrikmässig gewonnen.

Die Firma Andrae & Grüneberg in Stettin hatte Blutlaugen-salzaus dem Stickstoff der Steinkohle ausgestellt, welches sie (bereitsseit einer Reihe von Jahren) als Nebenproduct der Potaschefabrikation ge-winnt. Es ist schon lange beobachtet, dass die nach dem L eblan cschenProcess dargestellte Rohsoda reichlich Cyanverbindungen enthält; dasvor vielen Jahren ertheilte Patent, aus den Mutterlaugen durch Erkaltendas Ferrocyannatrium abzuscheiden, ist aber nie praktisch verwerthetworden, weil die leichte Löslichkeit dieser Verbindung zu geringe Aus-beute gab, im Vergleich zu den Kosten, welche das Abkühlen derSodalaugen verursachte. Deshalb geschieht es, dass die Cyanveibin-dungen in den rothen Mutterlaugen Zurückbleiben und dort bei derVerarbeitung auf kaustische Soda durch Oxydation mittelst Salpeterdie Veranlassung zu der eigenthümlichen, häufig beobachteten Graphit-bildung geben. Die nach demselben Verfahren dargestellte Kalischmelzeliefert jedoch Laugen, welche die Abscheidung des gebildeten Fevro-cyankaliums, da es schwer löslich ist, möglich machen und aufdiese Weise eine Ansammlung des Blutlaugensalzes gestatten. Ilr.Rudolf Grüneberg in Stettin hat zuerst dies Nebenproduct abge-schieden, andere Fabrikanten künstlicher Potasche gewinnen es jetztebenfalls, haben jedoch zuweilen eine so geringe Cyanbildung beob-achtet, dass die Abscheidung nicht lohnend wird. Angeblich rührtdiese Verschiedenheit von der Beschaffenheit der Steinkohle her, diezu der Mischung mit Sulfat und Kalk verwendet wird x ).

Wenngleich nun auch eine epochemachende Aenderung in derDarstellung der Cyan Verbindungen nicht festzustellen ist, so sind dochmannichfaltige Vorschläge zur Verwerthung von Stickstoff haltenden

J ) Auch die kalihaltige Kohle, welche durch Eindampfen der bei derSpiritusfabrikation aus Zuckermelasse erhaltenen Schlempe'gewonnen und aufPotasche weiter verarbeitet wird, enthält bedeutende Mengen Cyankalium(entstanden aus dem im Syrup enthaltenen Ammoniak und aus dem Stickstoff-gehalt der Hefe), dessen Abscheidung resp. Verwerthung ebenfalls von einigenFabrikanten versucht worden ist.