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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Ueber die praktisolie Verwerthung des Stickoxydulgases. 217

Mundstücke, durch welche das Gas ohne Weiteres hindurchströmt, undcomplicirtere, welche das gleichzeitige Eintreten von Luft gestatten,ferner eigens construirte Gasometer, um die nöthige Quantität Gasaufzunehmen. Alle diese Apparate finden sich bei Ash & son ingrosser Auswahl.

Was die Application des Gases betrifft, so ergiebt es sich mitSicherheit, dass dieNareose nur in solchen Fällen benutzt werden kann,in welchen es sich um eine kurze Schmerzstillnng handelt. Für Zahn-operationen ist deshalb das Gas ganz besonders geeignet. Schonweniger empfiehlt es sich, bei grösseren Operationen in der Mundhöhledieses Anästheticum zu verwerthen. Bei geschickter Anwendunggelingt es, das Stadium der Excitation sehr zu vermindern oderüber dasselbe vollkommen hinweg zu kommen. Ein sehr grosserVortheil vor den übrigen Anästheticis liegt darin, dass Brech-bewegungen bei dem ersten Einathmen fast niemals eintretenwerden. Auch ist eine Einwirkung auf die Herzthätigkeit kaum zubeobachten und nach dem Zutretenlassen der Luft ist die Narcosebei dem Patienten schnell vorüber und das Allgemeinbefinden einvollkommen normales. Man hat auch versucht, mit Gemischen vonStickstoffoxydul und anderen Narcoticis zu operiren; so sind von C.Sauer (s. Vierteljahrsch. für Zahnheilkunde IV. Heft, 1869) Versuchemit Chloroform und Stickstoffoxydul gemacht worden. Eine lehrreicheAbhandlung über die alleinige Anwendung des Stickstoffoxydulgasesfür Zahnärzte ist von Dr. Carl Grohnwald veröffentlicht worden 2 ).

Obgleich die praktische Verwerthung zweckmässig befunden ist,liegen für die wissenschaftliche Erklärung der Wirkung nur wenige undungenügende Thatsachen vor. Es scheint, dass das Stickstoffoxydul seinenSau er stoff nicht für die Verbrennung abgiebt, auch geht es eine chemischeVerbindung mit den rothen Blutkörperchen nicht ein, da die Absorp-tionsverhältnisse für Blut und Wasser, wie Nawrocki nachgewiesenhat, fast dieselben sind. Es tritt bei der Einathmung Dyspnoe undAsphyxie gerade so wie bei der Inspiration anderer indifferenterGase ein, das Gefühl der Dyspnoe wird aber durch die Eigen-thümlichkeit des -Bausches unterdrückt. So müssen wir uns begnügen,die Erklärung für die Wirkung des Gases darin zu finden, dass dieFunction der gangliösen Apparate des Gehirns durch dasselbe aufge-hoben wird. Eine directe Einwirkung auf die nervösen Organedes Herzens ist bis jetzt nicht constatirt worden. So gering auch diesewissenschaftlichen Daten sind, so geben sie für die Anwendunggewichtige Fingerzeige an die Hand, welche mit den praktischen Er-fahrungen übereinstimmen; erstens darf das Gas nicht lange Zeithinter einander eingeathmet werden, zweitens ist es zweckmässig, dem

J ) Grohnwald, Das Stickstoffoxydnlgas als Anästheticum. Berlin 1871,