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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie,

des Conversionssalpeters beruht auf der Umsetzung des Natriumnitratsmit Kaliumchlorid in Kaliumnitrat und Natriumchlorid, da seit derEntdeckung und Ausbeutung der Kalisalzlager in Stassfurt das Chlor-kalium die billigste Quelle für Kalisalze geworden ist, und ausserdemdie Umsetzung mit diesem Salze am vollständigsten ist.

Anthon 1 ) hat schon im Jahre 1858 ein praktisches Verfahrenzur Darstellung von Kaliumnitrat aus Chilisalpeter und Chlorkaliumpublicirt; Kuhlmann 2 ) beleuchtete im Jahre 1859 diese Fabrikations-methode mit besonderer Berücksichtigung für französische Verhältnisse,und Waltl 3 ) wollte die chlorkaliumhaltige Mutterlauge von Soolenoder Seewasser zur Fabrikation von Salpeter benutzen.

Eine ausführliche Beschreibung der im Jahre 1866 in Englandgebräuchlichen Fabrikationsmethode von Conversionssalpeter ist vonLunge 1 ) veröffentlicht worden. Aequivalente Mengen von Chilisalpeterund Stassfurter Chlorkalium, deren Gehalt vorher durch die Analysefestgestellt ist, werden in grossen eisernen Kesseln in Wasser aufgelöst,das durch directes Einleiten von Dampf zum Sieden erhitzt wird. Diegeklärten Laugen lässt man unter Umrühren erkalten, wobei sich derKaliumsalpeter als feines Krystallmehl abscheidet, das in hölzernen mitBlei ausgeschlagenen Trögen zum Abtropfen gebracht und bo langemit Wasser gewaschen wird, bis eine Probe mit Silberlösung geprüftnur noch Yiqo p. C. Chlornatrium enthält. Nach Beendigung des Waschenswird die noch anhängende Lauge in Centrifugen ausgeschleudert undder Salpeter auf hölzernen Tafeln in geheizten Trockenstuben völliggetrocknet. Die Mutterlaugen, auf freiem Feuer eingedampft, scheidenden grössten Theil des Kochsalzes ab, welches ausgefischt wird, undgehen beim Erkalten eine neue Quantität Salpetermehl. In einer an-deren Fabrik stellt man zuerst eine Lösung von Chlorkalium dar, welche1'200 bis 1210 Vol.-Gew. zeigt, löst darin die äquivalente MengeChilisalpeter auf und dampft auf freiem Feuer ein; das sich fortwäh-rend ausscheidende Kochsalz wird ausgekrückt und nach dem Abtropfenso lange mit Wasser gewaschen, bis es nur noch V 2 p. C. Salpeter ent-hält, die Waschwasser gehen in die Pfanne zurück. Wenn die Laugedie Concentration von 1500 Vol.-Gew. erreicht hat, lässt man kurzeZeit absetzen, wobei das niederfallende Kochsalz allen Schmutz mit sichzieht, und bringt die klare Lauge in die Krystallisationsgefässe. Durchgelegentliches Umrühren erreicht man, dass die Krystalle so fein wieBittersalz ausfallen; die Mutterlauge wird abgezogen und die Krystallevollständig abtropfen gelassen, alsdann giesst man soviel kaltes Wasser

J ) Anthon, Dingl. pol. J. CXLIX, 39; Chem. Centralbl. 1858, 569;Wagn. Jahresber. 1858, 154. 2 ) Kuhlmann, Bull. Soc. dEncour. 1859,

Septbr., 567; Wagn. Jahresber. 1859, 182. s ) Waltl, Polyt. Centralbl.1859,129; Wagn. Jahresber. 1859, 182. «) Lunge, Dingl. pol. J. CLXXXII,

385; Wagn. Jahresber. 1866, 223.