Salpetersäure und ihre Salze.
Von Dr. Adolph Geyger
in Berlin.
Salpetersaure Salze. Noch zu Anfang dieses Jahrhundertskam ein Theil des Salpeters, welchen die verschiedenen Länder Europasverarbeiteten, als sogenannter exotischer Salpeter aus Indien, undder Rest des Bedarfs wurde durch Auslaugen von natürlicher oderkünstlicher Salpetererde als einheimischer Salpeter erhalten.
Der Verbrauch an salpetersauren Salzen in der chemischen Industrieund der Fabrikation von Schiesspulver sowie anderer Sprengmaterialienhat jedoch in so starkem Verhältniss zugenommen, dass die früherenBezugsquellen schon lange nicht mehr genügen konnten. Eine neueQuelle erschloss sich in dem vor mehr als 50 Jahren imDistriet Tampaan der Grenze zwischen Chili und Peru *) entdeckten mächtigen Lagereines an Natriumsalpeter sehr reichen Minerals, dessen Ausbeutungin steter Zunahme begriffen ist und welches jetzt bei Weitem dengrössten Theil des Rohmaterials für die in der Industrie gebrauchtenNitrate liefert.
Nach den Angaben von Dr. G. Langbein 2 ) bestanden im Jahre1871 in dem peruanischen Salpeterdistricte 11 grössere Salpeter-raffinerien mit einer Tagesproduction von circa 6000 Centner gereinigtenNatriumsalpeters. Das salpeterhaltige Mineral (Cäliche genannt) findetsich in Schichten von 0'25 bis zu 1'5 m Mächtigkeit, die nur inseltenen Fällen zu Tage treten. Das überliegende Gestein ( costra ) hateine Dicke von '/ 2 bis zu 2 m und besteht vorzugsweise aus einem hartenConglomerat von Sand, Feldspath, Phosphaten und anderen Mineralien.Die Zusammensetzung des Caliche wechselt; es enthält 48 bis 75 p.C.Natriumnitrat, 20 bis 40 p.C. Chlornatrium und wechselnde Mengenvon Natriumsulfat, Calciumsulfat, Kaliumnitrat, Kaliumjodat, Magnesium-chlorid etc., sowie unlösliche Erdtheile und organische Substanzen(Guano). Es wird zuerst auf einer Steinbrechmaschine zerkleinertund dann in die Auflösekessel gebracht. Ein Theil der Fabriken
!) Eivero, Schweigger’s Journ. XXXIV, 450. 2 ) Langbein, Wagn.
Jahresber, 1871, 300 u. 1872, 290.