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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie,

Die ersten, dieses Ziel anstrebenden Versuche, sind von Tellierund Flandrin 1 ) angestellt worden. Im Anschluss an diese Versuchehat später Tellier das Ammoniak den mannichfaltigsten Verwen-dungen in der Technik dienstbar zu machen gesucht, ohne jedoch zudurchschlagenden Erfolgen zu gelangen, was theilweise wohl auch demUmstande zuzuschreiben sein mag, dass sich der Handelswerth desAmmoniaks in den letzten Jahren so sehr gesteigert hat.

Tellier hat seine Vorschläge gesammelt und in einem besonderenWerke: Uammoniaque dans Vindustrie, Paris, J. Rothschild, 1867,niedergelegt. Auch Delaporte 2 ) hat sich für Frankreich eineAmmoniakgasmaschine patentiren lassen 3 ).

Noch mögen hier schliesslich einige Vorschläge kurz erwähntwerden, welche die Darstellung verschiedener Ammoniumverbindungenbetreffen.

Bekanntlich wird das Ammoniak nicht nur von Säuren, sondernauch von vielen Salzen fixirt, welche in diesem Falle dem Ammoniakgegenüber die Rolle einer Säure spielen. Diese Verbindungen, überwelche zahlreiche Versuche von H. Rose, Persoz und Rammeis-berg vorliegen, entlassen das Ammoniak beim Erwärmen, eine Eigen-schaft, welche im Laboratorium vielfach für die Darstellung des verflüs-sigten Ammoniaks verwerthet worden ist. Neuerdings hat Kn ab 4 ) denVorschlag gemacht, derartige Salzverbindungen des Ammoniaks indu-striell zu gewinnen, um das Gas in dieser Form zu magiziniren. Die-selben würden alsdann nur gelinde erhitzt zu werden brauchen, umalsbald einen Strom von trocknem Ammoniakgas zu liefern. Chlor-calcium könne auf diese Weise 50 p. C. seines Gewichtes an Ammoniakaufnehmen, während starker Salmiakgeist nur 20 p. C. Ammoniak ent-halte. Letztere Angabe ist jedenfalls ein Irrthum, da Wasser selbstbei 15° mehr als 30 p. C. seines Gewichtes an Ammoniak aufzunehmenim Stande ist.

Das für analytische Zwecke so vielfach verwendete Schwefel-ammonium ist bisher fast nur durch Einleiten von Schwefelwasserstoffin kaustisches Ammoniak bereitet worden. Fabrikmässig wird dieseSubstanz von Spence 5 ) gewonnen, indem er Ammoniumsulfat oder

*) Tellier u. Flandrin, Compt. rend. LX, 59; Monit. scientif. 1865,134; Dingl. pol. J. CLXXVI, 163, Deutsche Industriezeit. 1865, 126; Wagn.Jahresber. 1865, 279. 2 ) Delaporte, Gönie industr. Aoütl865, 63; Dingl.

pol. J. CLXXVII, 423. s ) L amm in New-Orleans soll (nach Engineer 1872Jan.-Heft) eine Ammoniakmaschine construirt haben, die für Strassenbahnenin New-Orleans praktisch erprobt sein soll; die Hauptschwierigkeit bei der-artigen Motoren: der Ammoniakverlust, ist hierbei durch Anwendung vonOelverschluss bei den Stopfbüchsen fast gehoben. 4 ) Knab, Chem.News 1866, XIII, 192; Deutsche Industriezeit. 1866, 17S; Wagn. Jahresber.1866, 205. 6 ) Spence, Mech. Mag. Nov. 1866, 307; Dingl.pol. J. CLXXXIII,

397; Polyt. Centralbl. 1867 , 461.