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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Ammoniak und Ammoniaksalze.

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sckaft mehr und mehr eingebürgert. Dem Guano und allen fermen-tirenden Düngmitteln gegenüber besitzt dieses Salz den grossen Vorzug,dass das Ammoniak in demselben gebunden ist, und wenn auch inFolge dieses Umstandes die Wirkung desselben eine langsamere istals die des Guanos, so erweist sie sich doch auch von entschiedengrösserer Nachhaltigkeit a ).

Auch die Production von kaustischem Ammoniak hat sich ganzerheblich gesteigert.

Grosse Mengen davon werden von der Car resehen Eismaschinein Anspruch genommen, welche, obwohl immer noch mit mancherleiMängeln behaftet, gleichwohl mit jedem Tage grössere Verbreitungfindet 3 ).

Kaustisches Ammoniak findet ferner auch eine sich mehr und mehrsteigernde Verwerthung in den tinctorialen Industrien. Die allerneuesteZeit hat endlich eine unerwartete Anwendung desselben für die Indigo-bereitung auf Java gebracht.

Nach dem alten Verfahren wurde bei der Darstellung des Farb-stoffes aus den verschiedenen Indigofera-Arten der gährenden MasseKalk zngesetzt. Ein belgischer Chemiker, J. Sayers in Djöcjocartaauf Java, hat dört eine neue Bereitungsweise eingeführt, indem er derFlüssigkeit während der Gährung statt des Kalks Ammoniak hinzufügtund auf diese Weise einen reineren Farbstoff erzielen soll.

Die erfolgreiche Wiederaufnahme der schon vor mehr als 30 Jahrenversuchten Methode, durch Behandlung von Chlornatrium mit Ammo-niumcarbonat Soda zu erzeugen, hat der Darstellung von Ammoniakin den letzten Jahrzehnten ebenfalls bedeutenden Vorschub geleistet.Sollte, wie es fast den Anschein hat, der Ammoniak-Sodaprocess ingrösserem Umfange zur Ausführung kommen, so würde dieser Umstandzur weiteren Entwickelung der Ammoniakindustrie sehr wesentlichbeitragen 3 ).

Die Verdichtbarkeit des Ammoniaks und seine grosse Löslichkeitin Wasser haben zu dem Gedanken geführt, dasselbe als Bewegkraftfür Maschinen zu verwenden.

J ) Man hat in neuerer Zeit mehrfach versucht, durch directe Auslaugungder in den Gasanstalten verwandten Reinigungsmasse (Raseneisenstein mitSägespänen) das in derselben sich anhäufende Ammoniak zu gewinnen undzu Düngezwecken zu verwerthen, indess haben diese Versuche in Folge desgrossen Rhodangehalts des so gewonnenen Sulfats und dessen schädlichenEinflusses auf das Pflanzenwachsthum zu keinem günstigen Resultate geführt.(Brief!. Mittheil. von Hrn. Dr. L. Darmstädter an den Herausgeber.)

2 ) Vergl. den Aufsatz von Dr. Meidin ge r, S. 74 dieses Berichts.s ) Nach Privatmittheilungen, welche dem Herausgeber von deutschenAmmoniakfabriken zugehen, ist eine Vermehrung der Nachfrage nach Ammo-niumcarbonat in Folge seiner Anwendung für den Ammoniak - Sodaprocessbis jetzt kaum verspürt worden. [A. W. H,]