Print 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Place and Date of Creation
Page
169
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

Fabrikation der Schwefelsäure.

169

sein. Damit die Erzschicht nicht zu dick wird, sind von 50 zu 50 cm,senkrecht zur geneigten Fläche, Scheidewände angebracht, welche miteinem Abstande von einigen Centimetern bis zur geneigten Ebene ein-gemauert sind. Auf diese Weise werden auf der ganzen Fläche dünneErzschichten hergestellt. Der so construirte Ofen functionirt inOberhausen und Stolberg und ist in Lethmathe bei Iserlohn undRosdzin in Schlesien im Bau begriffen. Der Kohleverbrauch istderselbe wie hei (den in den Zinkhütten üblichen gewöhnlichen Röst-öfen (28 p. C. Steinkohlen auf 100 rohe Zinkblende). Der Arbeitslohnstellt sich um 1'60 Mark pro 100 Kg rohe Blende höher.

In Freiberg kommt eine schwarze Blende, welcher in nicht unbe-trächtlichen Mengen Schwefelkiese heigemengt sind, für die Schwefel-säurefabrikation zur Verwendung, indem die Stückerze in grossenSchachtöfen (Kilns) vorgeröstet werden. Die Abbrände werden alsdanngemahlen und in einem Flammofen ohne Benutzung der schwefligenSäure fertig geröstet.

Schwefelsäurebildung in Bleikammern. Wie in frühe-ren Jahren sind auch in letzter Zeit wieder Vorschläge gemachtworden, die Bleikammern der Schwefelsäurefabrikation durch andereApparate zu ersetzen. Verstraet 1 ) will zu diesem Zwecke Colonnenaus Thongefässen in Anwendung bringen. Die Methode von Ver-straet hat ebensowenig wie frühere Vorschläge zur Darstellung vonSchwefelsäure nach einem anderen, als dem herkömmlichen Verfahrenpraktische Bedeutung erlangt.

Der chemische Vorgang bei der Schwefelsänrebildung in denBleikammern und die damit zusammenhängenden Reactionen sind inletzter Zeit weiter aufgeklärt worden.

Reich 2 ) führte eine Untersuchungsmethode für schweflige Säure inden Röstgasen der verschiedenen Oefen ein, welche vielfach in Gebrauchgekommen ist. Es wird hierzu eine Lösung von Jod in Jodkaliumvon bekanntem Gehalt angewandt, der man etwas Stärke zusetzt.Durch-, Aspiration wird das zu untersuchende Gas so lange durch dieblaue Flüssigkeit geleitet, bis Entfärbung eintritt. Hat man das Vo-lumen der aspirirten Gase gemessen, so kennt man den Gehalt der-selben an schwefliger Säure. Diese Untersuchungsmethode hat dengrossen Vortheil, dass sie von einem gewöhnlichen Arbeiter genau aus-geführt werden kann und man im Laboratorium nur die Jodlösungherzustellen braucht.

Die der Theorie nach vortheilhafteste Zusammensetzung der Rost--gase ist zuerst von Gerstenhöfer durch Rechnung festgestellt und

i) Verstraet, Dingl. pol. J. CLXXIX, 63; Wagn. Jahresber. 1865, 228.

2 ) Reich, Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1858.