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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

nicht, da die Entschwefelung in der Muffel unvollständig blieb undGase mit einem zu geringen Gehalte an schwefliger Säure in dieBleikammer gelangten. Verbessert wurde der einfache Muffelofen durchEugen Godin, dessen Idee aber erst 1865 nach seinem Tode in Stol-berg ausgeführt wurde. Die Erze hatten, ehe sie auf die von denFeuerungsgasen erhitzte Sohle des Flammofens gelangten, siebenübereinanderliegende Platten aus feuerfestem Thon zu passiren. Dieunten abgerösteten Erze wurden ausgezogen, die Beschickung derzweiten Platte auf die erste geschoben, die der dritten auf diezweite u. s. f., und in die siebente Abtheilung frisches Erz eingefüllt.Die Abröstung erfolgte in diesem Ofen in befriedigender Weise und dieGase waren reich an schwefliger Säure; dagegen war der Arbeitslohnkostspielig und der Gasverlust während der Beschickung bedeutend.Gab man stärkeren Zug, so wurden die Gase durch den Eintritt derLuft bei den Thüren zu sehr verdünnt.

Im Jahre 1866 wurde in Stolberg der Gerstenhöfer’sche Ofenzur Blenderöstung eingeführt und längere Zeit benutzt. Es gelangjedoch im günstigsten Falle, nur die Hälfte des Schwefelgehaltes derZinkblende nutzbar zu machen; dagegen war die Menge Flugstaub(bei dem meist feinkörnigen Zustande der dort verwendeten Zink-blende) ausserordentlich gross, so dass sich der Schüttofen für Blende-röstung in Stolberg ebensowenig als in Borbeck und Swansea be-währt hat.

Seit dem Jahre 1870 combinirte man in Stolberg den vor Jahrenangewandten Muffelofen mit einem System von Platten nach der Con-struction von Hasenclever & Helbig. Das System hat seitdem unterBeibehaltung des Princips der geneigten Platten wesentliche Modifi-cationen erfahren, bis sich ein Röstofen für Zinkblende ausgebildet hat,der seit einigen Jahren in unveränderter Form beibehalten werdenkonnte 1 ). Die Feuergase, welche die Muffel umspült haben, erhitzenvon unten eine aus Platten gebildete geneigte Ebene von etwa 8 mLänge. Auf dieser geneigten Fläche rutscht das Erz abwärts bis zu eineram unteren Ende befindlichen Walze und gelangt in dem Maasse, alsdiese bewegt wird, zuerst in die Muffel, wird dann durch Handarbeitin den unteren Herd gekrückt und dort zur Zinkverhüttung fertiggeröstet. Die an schwefliger Säure noch armen Gase, welche von derMuffel entweichen, passiren die geneigte Ebene, reichern sich dort anund rösten die Blende vor. Da feinkörnige Körper beim Anschüttenin Haufen an ihrer Oberfläche einen annähernd constanten Winkel von33 Grad bilden, so würde beim Herabrutschen auf der mit 43 Gradgeneigten Fläche am Ende der schiefen Ebene eine mehr als 1’5 mhohe Erzschicht entstehen und eine Röstung im Innern unmöglich

x ) Haseuclever u. Helbig, Zeitschr. d, Ver. deutsch. Ing. 1872, 705.