Fabrikation der Schwefelsäure.
165
wickelnden heissen Gase bestreichen dann die mit den Abbrändenbedeckten Platten und bewirken eine Nachröstung.
Im Jahre 1859 wies List 1 ) im Schwefelkies der Grube Siciliazuerst Zink nach. P. W. Hofmann 2 ) fand, dass in den Abbrändender Röstöfen dieses Zink als scbwefelsaures Salz vorhanden ist undgewinnt dasselbe durch eine methodische Auslaugung. Die hierbeiresultirenden Laugen von 1'25 Yol.-Gew. enthalten, ausser geringenMengen Eisenvitriol, fast nur Zinksulfat. Sie werden auf etwa 40° er-wärmt und mit soviel Kochsalz vermischt, dass auf jedes AequivalentZinkvitriol ein Aequivalent Chlornatrium kommt; auf diese Weise erhältman Laugen von 1‘38 Yol.-Gew., aus welchen beim Erkalten Glaubersalzin solchen Mengen auskrystallisirt, dass dadurch sämmtliche Kostengedeckt werden. Die Mutterlauge wird bis 1'60 Yol.-Gew. eingedampftund das so erhaltene Chlorzink, welches nur noch Spuren von schwefel-sauren Salzen und Eisen enthält, entweder in flüssiger oder festerForm in den Handel gebracht. Nach Mittheilungen von P. W. Hof-mann wird in Wocklum aus dem Schwefelkiese der Sicilia in grossenQuantitäten Chlorzink dargestellt.
Richters 3 ) theilt mit, in wie weit und unter welchen Bedingungendie Verhüttung so schwefelreicher Erze, wie die Kiesabbrände in Deutsch-land sind, vom chemischen Standpunkte aus gelingen dürfte. In derThat sind mehrfach Versuche gemacht worden, die ausgebranntenSchwefelkiese zur Darstellung von Roheisen zu verwenden; bis jetzthat sich indessen noch keines der besprochenen Verfahren Eingangverschafft. In England werden die Rückstände der spanischen, portu-giesischen und ein Theil der norwegischen Kiese nach der Röstungweiter verarbeitet. Wedding und Ulrich haben die Behandlung derausgebrannten Kiese in England genau studirt und beschrieben 4 ).
Das abgeröstete Erz wird von den chemischen Fabriken an dieKupferhütten geliefert mit einem Durchschnittsgehalte von 3'66 p. 0.Schwefel, 58'25 p. C. Eisen und 4'14 p. C. Kupfer. Dasselbe wird zu-nächst gemahlen, mit 15 bis 20 p.C. Kochsalz gemischt und im Muffel-oder Flammofen einer chlorirenden Röstung unterworfen. Die dabeisich entwickelnden Gase werden in einem Cokethurm, durch welchenWasser strömt, condensirt und so ein Gemenge von Salzsäure undSchwefelsäure gewonnen. Durch die Röstung ist das Kupfer in lös-liches Chlorid übergeführt worden, welches durch Wasser und danndurch die Säure aus dem Condensationsthurm extrahirt wird. DasKupfer wird alsdann mit Eisen ausgefällt. Nach neunmaligem Auslaugenenthalten die Rückstände nur noch 0'08 bis 0’2 p.C. Kupfer und 0'16
!) List, Technisch-chemischeMittheilung, Hagen 1859. 2 ) P.W.Hof-
mann, Privatmittheilung. 3 ) Bichters, Dingl. pol. J. CXCIX, 292.
4 ) "Wedding u. Ulrich, Zeitschr. Berg- u. Hütten- u. Salinenw. im preuss.Staate XIX, 298.