162 Gruppe III. Chemische Industrie.
Die chemische Fabrik Rhenania in Aachen stellte 1873 inWien Modelle von Röstöfen aus, welche zuerst in Stolberg nach demPrincipe Wilhelm Ilelbig’s und des Verfassers 1 ) gebaut sind. DieOefen dienen zur Röstung yon feinkörnigen schwefelhaltigen Minera-lien und sind hauptsächlich für Schwefelkies und Zinkblende inAnwendung. Das Neue und Eigenthümliche in der Construction bestehtdarin, dass die Erze auf stark geneigten Ebenen geröstet werden,welche ein Rutschen der darauf lagernden feinkörnigen Masse zulassen,wenn an der tiefsten Stelle Erz fortgenommen wird.
Der im Jahre 1870 beschriebene Plattenofen ist zur Röstung vonKlopfabfällen der Stückkiese vielfach in Gebrauch und in verschiede-nen Fabriken gegenwärtig in der Ausführung begriffen. Es wird einGemenge von dicken Graupen, feinen Graupen, Sand und Schlich auf-gegeben. Die Stückkiese werden dicht bei dem Plattenthurm in ge-wöhnlicher Weise geröstet; die von denselben entweichenden heissenRöstgase, welche über die Platten streichen, wirken entschwefelnd aufden Feinkies. Das Erz passirt die Platten in Form eines zusammen-hängenden Bandes, dessen Dicke durch den Abstand zweier Plattenvon einander bestimmt wird. Das Aufgeben von frischem Erz unddas Entfernen der Abbrände geschieht ohne Störung des Betriebes.Man hält den oberen Spalt gehäuft mit Kies bedeckt, so dass beimNachrutschen keine schweflige Säure durch den Trichter entweichenkann. Im unteren Theile des Ofens wird die ausgebrannte Kiesschichtmittelst einer Walze entfernt, welche automatisch durch ein Wasserrädchenalle fünf Minuten umgedreht wird. Paul Seybel in Liesing bei Wienbenutzt den Ofen im intermittirenden Betriebe, indem er alle 6 Stun-den durch Drehen der Walze circa 200 Kg Kies entfernen lässt. Dadie Feinkiese bei starkem Mehlgehalt schlecht nachrutschen, so em-pfiehlt sich das Verfahren von Seybel für Erze in Schlichform. DieAbröstung erfolgt in Liesing im Plattenofen bei Erzen von Bösing inUngarn bis zu 4 p. C., bei Erzen aus Steiermark bis 7 und 8 p. C.Schwefel. Die Stückkiesabbrände der letzten Sorte enthalten noch5 bis 6 p. C. Schwefel, während die Bösinger Stückkiese im abgeröste-ten Zustande nur 2 p. C. enthalten.
Die ausgebrannten Feinkiese der Grube Sicilia bei Siegen zeigeneinen Schwefelgehalt von 4 bis 5 p. C., je nach der Grösse des Ofensund der Erzquantität, welche den Ofen passirt. Die ausgebranntenStückkiese, welche mit den Klopfabfällen gemischt abgeröstet werden,enthalten noch 5 p. C. Schwefel, während die reinen Stücke bis zu2 p. C. entschwefelt sind. In der gesonderten Röstung liegt ein we-sentlicher Fortschritt.
x ) Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ingen. 1870, 705 und 1872, 505.