Die Schwefelindustrie Siciliens. 149
Neigung giebt. Die Verbindung nach aussen, welche den seltsamenNamen la morte trägt, besteht in einer Oeffnung von 1'20 m Höheund 25 cm Breite. Die Innenwand des Calcarone ist mit einer Gyps-mauer ausgekleidet, deren Dicke am hinteren Theile 4 bis 5 dm beträgt,sich aber nach vorn bis zu 1 und selbst 1'2 m verdickt. Das Mauer-werk ist mit einer glatten Decke von Gyps überzogen, welche für dengeschmolzenen Schwefel undurchdringlich ist.
Die Beschickung des Calcarone wird von Arbeitern besorgtwelche den Namen riempitori führen. Sie bedecken den Boden, ent-weder die Erde selbst oder besser eine aus Mauersteinen gebildeteSohle, zunächst mit einer Lage feingepulverter ausgebrannter Erzefrüherer Operationen ( ginese ), auf welche sie eine Schicht grössererErzstücke ( tozzi ) folgen lassen. Auf dieser Unterlage wird nunmehrdas Erz aufgehäuft, indem man Sorge trägt, die kleineren Stücke vor-zugsweise in der äusseren Umrandung des Haufens zu vereinigen. Gleich-zeitig wird die Oeffnung nach aussen, damit das Schwefelerz nicht heraus-falle, durch eine Art Gewölbe ( porte ) geschlossen, welches man im Innerndes Calcarone aus grossen schwefelarmen Erzblöcken um die Oeffnungherum auf baut. Sobald die Vertiefung des Calcarone bis zum Randegefüllt ist, häuft der Arbeiter weiteres Mineral auf, bis ein Hügel ent-standen ist, welcher die Gestalt eines abgestumpften Kegels besitzt(colmatura, cucuzzo), indem er auch jetzt wieder die kleineren Stückenach aussen setzt und die grösseren nach derMitte zu einfügt. MitHilfe dieser grösseren Blöcke gelingt es ihm auch, an verschiedenen demRande nicht zu ferne gelegenen Stellen, zumal nach der Rückseite desCalcarone hin verticale kaminröhrenartige Oeffnungen in dem Haufen aus-zusparen, welche während des Brandes den Zug vermitteln. Nun wirdder Haufen mit einer Lage feinsten Erzpulvers (s terro) beschickt, demschliesslich wieder eine Schicht gepulverter ausgebrannter Erze ( ginese )folgt, welche äussere Umhüllung man mit dem Namen camicia (Hemd)bezeichnet. Um den Calcarone anzünden zu können, muss nur nochdie Oeffnung nach aussen geschlossen werden; dies geschieht durcheine dünne Gypsmauer, in welcher man in verschiedenen Höhen kleine,während des Brandes mit Thon gefüllte Löcher lässt. Das Anzündendes Calcarone geschieht mittelst schwefelgetränkter Strohbündel, welchein die Zugröhren geworfen werden. Nach etwa einer Stunde werdenalle Oeffnungen geschlossen und der Ofen acht bis neun Tage sichselbst überlassen. Um diese Zeit beginnen gemischte Dämpfe, ausWasser, Schwefel und schwefliger Säure bestehend, sich ihren Wegdurch die äussere Bekleidung des Haufens zu bahnen und in der Näheder Rauchrohren erscheint ein leichter Anflug sublimirten Schwefels.Gleichzeitig erhitzt sich mehr und mehr der Verschluss der in derNähe des Bodens befindlichen Oeffnung nach Aussen, welcher end-lich glühend wird. Indem man eines der mit Thon gefüllten Löcher