Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 

137

Chlor, Brom, Jod, Fluor.

Handelswerth des Jodes dadurch wieder sinken zu sehen, dass man indem letzten Jahrzehnt angefangen hat, eine neue Quelle für dasselbe,die Mutterlaugen des Chilisalpeters auszubeuten, hat leider nicht die er-wartete Erfüllung gefunden, da die Gewinnung von Jod aus Chilisal-peter nur wenig zugenommen hat, ja einige Raffinerien, welche die Aus-beutung ihrer jodhaltigen Mutterlaugen begonnen hatten, dieselbe wiederaufgegeben haben 1 ). Auf der anderen Seite hat die Farbenindustrieweitgreifende Versuche gemacht, Wege aufzufinden, auf denen sie derVerwendung des Jods entrathen könnte. Ist ihr nun auch der Versuch,das Brom dem Jod zu substituiren, nicht gelungen (siehe Brom), so istman in neuester Zeit auf anderen Wegen dennoch dahin gelangt, dieprachtvollsten violetten, blauen und grünen Theerfarben ohne Jod dar-zustellen. Dessenungeachtet hat sich der Preis des Jodes bisher nichtbedeutend gemindert, da die Verfahren, die betreffenden Farben ohneJod darzustellen, noch keineswegs von allen Etablissements angenommenworden sind.

Ausser in der Farbenindustrie findet das Jod Verwendung in derwissenschaftlichen Chemie, für welche dieser Körper von enormer Wich-tigkeit geworden ist; ferner in der Photographie und der Medicin.

Von Quellen, welche der Jodproduction in neuerer Zeit erschlossenworden sind, ist bereits der Mutterlaugen des Chilisalpeters Erwähnunggethan worden. Andere von irgend erheblicher Ergiebigkeit hat mannicht entdeckt. Zwar weist Leuchs 2 ) nach, dass der Gichtstaub derEisenhohöfen neben anderen löslichen Salzen auch Jodverbindungenenthält. So fand er im Gichtrauch der Rosenberger Hütte bei Sulz-bach 0034 , der Komoraner Hütte bei Ilerzowitz 0'042, der Kreuz-thaler Hütte 0'146 pr. Mille Jod und berechnete, dass man auf dererstgenannten Hütte jährlich 35y 2 Pfd. Jod gewinnen könnte. Alleinselbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich dieses Vorkommengewinnbringend verwerthen liesse, würde die dadurch zu erwartendeGesammtproduction doch immerhin eine nur ganz unbedeutende sein.

Was die Gesammtproduction des Jodes anbetrifft, so sind wenigeZahlenangaben bekannt geworden, aus denen sich ein Schluss auf dieHöhe derselben ziehen liesse. Weitaus die grösste Menge wird inEngland-und Frankreich gewonnen. Im Jahre 1871 belief sich dasin Grossbritannien producirte Quantum auf 114 799 Pfd., wovon 9 / 10 auf

*) Nach Privatmittheilungen des Hin. E. Schering ist jedoch dieJodproduction aiis den Salpetermutterlaugen in neuester Zeit wieder in derZunahme begriffen. Eine Peruanische Salpeterraffinerie, welche das Jod mit-telst sauren schwefligsauren Natriums und Kupfersulfat als Kupferjodür ab-scheidet, hat beispielsweise im Jahre 1873 15000 Kg Jodkupfer in den Handelgebracht und wird ihre Production im laufenden Jahre auf 50 000 Kg Kupfer-jodür, entsprechend 30 000 Kg Jod steigern.

2 ) Leuchs, Deutsch. Industr.-Ztg. 1868, 408;Wagn. Jahresber. 1868, 15,