132
Gruppe III. Chemische Industrie.
Als gewissermaassen auch zu den Brompräparaten gehörig, mögenhier noch die künstlich hergestellten Salzgemische Erwähnung finden,welche neuerdings nach Maassgabe der Zusammensetzung der aus Mi-neralquellen erhaltenen Badesalze dargestellt werden. In Wien wurdenbeispielsweise Kreuznacher Mutterlauge und Mutterlaugensalz, Itoesener,Wittekinder u. s. w. Badesalz durch Frank resp. die VereinigtenFabriken zu Leopoldshall zur Ausstellung gebracht.
Endlich mag an dieser Stelle noch der Maassregeln Erwähnunggeschehen, durch welche es möglich ist, die in der Bromfabrikation be-schäftigten Arbeiter vor dem nachtheiligen Einflüsse des Broms zuschützen. Es hat sich in der That herausgestellt, dass bei Anwendungderselben keine Gefahr für die Gesundheit der Arbeiter zu besorgen ist.
Vor allen Dingen ist natürlich bei der Auswahl der Arbeiter daraufzu achten, dass dieselben wohlausgebildete Eespirationsorgane habenund keine Veranlagung zu asthmatischen Leiden oder catarrhalischenAffectionen besitzen. Demnächst ist den Arbeitern der Genuss vonSpirituosen aufs Strengste zu untersagen, da die durch dieselben be-dingte Beizbarkeit der Schleimhäute ausserordentlich gefährlich ist.Dagegen ist ihnen reichlicher Genuss fetter und schleimiger Speisen —Butter, Speck — neben im Uebrigen kräftiger Nahrung anzurathen.
Da es sich herausgestellt hat, dass sich die Arbeiter der ihnen zurDisposition gestellten Respiratoren nicht bedienen, höchstens beim Um-giessen grösserer Brommengen ein Tuch irm Mund und Nase binden,so ist die wichtigste Aufgabe die Herstellung einer kräftigen Ventilationin allen Fabrikationsräumen. Durch diese ist es in Verbindung mtijenen diätetischen Maassregeln gelungen, in Stassfurt während der achtJahre des Bestehens der dortigen Bromindustrie die Arbeiter gesundzu erhalten, so lange sie sich des Genusses von geistigen Getränkenenthielten. (Frank.)
[Der Herausgeber dieses Berichtes hat bei einem Ausfluge nachStassfurt in der jüngsten Zeit Gelegenheit gehabt, auch die Werk-stätten der Frank’sehen Bromfabrik zu besuchen und es sei ihm ge-stattet, dem vorstehenden, in grossen Zügen gefassten Aufsatze nocheinige Ergebnisse seiner eigenen Beobachtung anzureihen, um das Bildauch im Einzelnen auszuführen.
Die Destillation der Brommutterlauge mit Braunstein und Schwefel-säure geschieht in grossen, würfelförmigen Steingefässen aus einemStück, welche für den Fall des Springens mit Eisenstäben umgürtetsind. Durchschnittlich haben diese Gefässe eine Capacität von 3 cbm.In einiger Entfernung von dem Boden ist eine durchlöcherte Platte